SaSe95: SatireMist-Brauch: „Regensburger Wochenblatt“ und „Regensburger Stadtzeitung“ gegen „Regensburg digital“

Seit Monaten verfolge ich mit der Faszination, wie sie von einem von schlängelnden Bandwurmgliedern choreografierten Hundekothaufen ausgeht, was sich im Regensburger Blätterwald abspielt. SaSe hatte schon ein Mal berichtet.

Im Übrigen bricht sich in dieser immer mehr eskalierenden Auseinandersetzung zwischen der Regensburger Stadtzeitung zusammen mit dem Regensburger Wochenblatt contra Regensburg digital der „Diskurs“ auf lokale Ebene herunter, wie er bundesweit zwischen den rechtskonservativen bis rechtspopulistischen Kräften auf der einen und den Demokratieliebhabern mit Werten wie Solidarität und soziale Gerechtigkeit auf der anderen Seite geführt wird.

Für den mit den Örtlichkeiten und Personen nicht vertrauten Leser gilt es zunächst, die verschiedenen Akteure auseinanderzuhalten (Schroeder: „Wir müssen auseinanderhalten!“).

Der Ural des Anstoßes ist das alternative Lokaljournalismusprojekt Regensburg digital des Journalisten Stefan Aigner & Team. Der hat sich in der Vergangenheit mit den ganz Großen angelegt: zum  Beispiel mit der katholischen Kirche, dem Möbelhaus XXXLutz und dem Rüstungskonzern Diehl. Das hat ihm – Überraschung! – eine Menge juristischer Probleme und Presserechtsprozesse eingebracht, die er mit beeindruckendem Standing und zumindest teilweisem Erfolg durchgekämpft hat.

In seiner Vorzeigerolle als publizistisches Alternativprojekt wurde über Regensburg digital (nachfolgend mit „Rd“ abgekürzt) schon mehrfach und von den (immer männlichen und fast durchgehend nonrespondering) Tonangebern in dieser Sparte berichtet: Lousy Pennies, Ruhrbarone, Netzwerkrecherche, Seine Hoheit Hardy Prothmann & Co.
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Strafanzeige gegen Satireaccount
Dann gibt es seit 2012 den teil-satirischen Facebook-Account Gans schön Ecklhaft, der sich hauptsächlich mit dem Regensburger Wochenblatt und dessen Redaktionsleiter Dr. Christian Eckl beschäftigt. SaSe berichtete hier. Der satirisch Besenfte fühlte sich im Oktober 2015 veranlasst, Strafanzeige gegen die anonymen Betreiber von Gans schön Ecklhaft zu stellen. Darüber berichtete wiederum Regensburg-digital. Stefan Aigner erklärte gegenüber diesem Blog in einem Hintergrundgespräch zu TS56/16, dass es auf der gegnerischen Seite wohl  die – nicht zutreffende – Vermutung gebe, er selbst stecke hinter Gans schön Ecklhaft. Bullshit!

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Ausschnitt aus Bildzitat Screenshot der Kopfgrafik des Facebook-Accounts Gans schön Ecklhaft

Ausschnitt aus Bildzitat Screenshot der Kopfgrafik des Facebook-Accounts Gans schön Ecklhaft

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In der Zwischenzeit (zwischen der Strafanzeige und der untenstehend zu berichtenden Einstellung der Ermittlungen) begann dann eine journalistische Unter-aller-Sau-Kampagne gegen einen freien Mitarbeiter von Regensburg digital. Schauplatz dieses von Aigner als „Vernichtungsfeldzug“ bezeichneten Schlachtfestes ist – neben dem Regensburger Wochenblatt –  die von dem Unternehmer Peter Kittel (von Rd liebevoll „Pegida-Peter“ genannt) herausgegebene  Regensburger Stadtzeitung. In der polemisiert ein nach Angaben von Stefan Aigner möglicherweise gar nicht existenter Autor „Heinz Karl“ gegen den Rd-Journalisten Martin Oswald, der als freier Mitarbeiter eine Teilzeitstelle an der Universität Regensburg innehat und sowohl vom Wochenblatt wie von der Stadtzeitung dem Linksextremismusverdacht unterstellt wird.

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Martin Oswald ist weder Bundesparteivorsitzender noch Gewerkschaftsfunktionär noch Bundespräsident noch sonst eine Person des öffentlichen Lebens, für die es presserechtlich gerechtfertigt wäre, sie in diesem Stadium der Überprüfung mit unverpixeltem Porträt und voller Namensnennung abzubilden. Ein nach SaSe-Meinung klarer Verstoß gegen den Pressekodex. Foto mit freundlicher Genehmigung von Regensburg digital

Martin Oswald ist weder Bundesparteivorsitzender noch Gewerkschaftsfunktionär noch Bundespräsident noch sonst eine Person des öffentlichen Lebens, für die es presserechtlich gerechtfertigt wäre, sie in diesem Stadium der Überprüfung mit unverpixeltem Porträt und voller Namensnennung abzubilden. Ein nach SaSe-Meinung klarer Verstoß gegen den Pressekodex.
Foto mit freundlicher Genehmigung von Regensburg digital

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Rd schreibt zu dieser Kampagne:

Seit zwei Wochen wird Oswald nun mit Foto und unter voller Namensnennung als „Linksextremist“ diffamiert.  Die Absicht, die zumindest in Stadtzeitung und Wochenblatt deutlich durchklingt: Man will ihn um seinen Arbeitsplatz an der Universität Regensburg bringen – eine Halbtagsstelle als wissenschaftliche Hilfskraft. Ein Umstand, über den Journalisten von außerhalb nur noch den Kopf schütteln.
(Regensburg digital 01.06.16: „‘Gans schön Ecklhaft‘: Staatsanwaltschaft stellt Verfahren gegen Watchblog ein“)

Wie viel an den Vorwürfen gegen Oswald wirklich dran ist, mag man der Tatsache entnehmen, dass sich die Universität Regensburg inzwischen voll und ganz hinter ihren Mitarbeiter gestellt hat und nach eingehender und umfassender Prüfung „keinerlei Anhaltspunkte für ein dienstrechtliches Einschreiten im Hinblick auf das Beschäftigungsverhältnis“ gefunden habe. Die Mittelbayerische Zeitung titelt bei ihrer Meldung über die Einschätzung der Universität noch drastischer: Kein Zweifel an Verfassungstreue. Aber eine Stellungnahme des prominenten Arbeitsgebers oder anderer Entscheidungsträger in dieser Angelegenheit fehlt natürlich in dem eine ganze Seite umfassenden Hetzartikel gegen Oswald in der Stadtzeitung Ausgabe Juni 2016: „Der Fall Martin Oswald: Uni untersucht Extremismusvorwürfe gegen Universitätsmitarbeiter“. Im seriösen Journalismus hätte man die Ergebnisse dieser Untersuchung – klugerweise und in sorgfältiger Abwägung des Grades öffentlichen Interessens im Verhältnis zu einem politisch sonst eher irrelevanten und subalternen Teilzeitmitarbeiter der Uni  – abgewartet! Alles andere nennt man Verdachtsberichterstattung. Oder: Hetze.

Für unser Thema relevant und aus obigem Zitat festzuhalten ist die Tatsache, dass die Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren gegen den AuchSatireaccount Gans schön Ecklhaft auf Facebook eingestellt hat und gegenüber Rd alle Vorwürfe für obsolet erklärt: „Keine Urheberrechtsverletzung“, „Beleidigung in sehr geringem Umfang“:

Wie berichtet, beschäftigt sich die Seite [i. e. der FB-Account „Gans schön Ecklhaft“ – Anmerkg. SaSe] bereits seit 2012 mal auf satirische, mal auf ernsthafte Weise mit den journalistischen und sprachlichen Fehlleistungen des Regensburger Wochenblatts. Dr. Christian Eckl, Redaktionsleiter des besagten Anzeigenblatts, dessen Name den Betreibern als Anregung gedient haben dürfte, war irgendwann der Kragen geplatzt. Er erstattete im vergangenen Jahr Strafanzeige wegen Beleidigung und der Verletzung von Urheberrechten (der Zündfunk berichtete ebenfalls).
Doch eine solche Urheberrechtsverletzung liegt in den Augen der Staatsanwaltschaft nicht vor. Es sei in gewissem Umfang durchaus erlaubt, Teile von Artikeln zu kopieren und damit zu zitieren, so Ziegler. Allerdings komme in Zusammenhang mit einem Begriff auf der Seite eine Beleidigung „in sehr geringem Umfang“ in Betracht. „Dieses Verfahren wurde aber ebenfalls eingestellt, weil der Urheber der Seite nicht zu ermitteln war.“
(ibid.; Hervorhebg. SaSe)

„Eine Beleidigung in sehr geringem Umfang“ – gegenüber einem Journalisten, der selbst üppig austeilt und schon von Berufs wegen etwas mehr aushalten sollte als Ottoline Konsumine. Demgegenüber empfinde ich zum Beispiel die ätzende Verbalinjurie „linksfaschistoider Gesinnungsblockwart“ als umfangreicher?


Bevor wir zur Satire kommen
Wir kommen noch auf das Blogthema Satire. Vorher jedoch ist auf den nächsten sensationellen Vorgang zu verweisen. Besagter „Heinz Karl“ schickt Stefan Aigner von Rd einen Fragenkatalog, der vor sogenannter und verbotener Verdachtserregung nur so strotzt. Aigner hat den Fragenkatalog hier veröffentlicht.

Auch wenn ich es ungern tue, für diese Veröffentlichung muss ich Stefan Aigner kritisieren. Eine Presseanfrage unterliegt zunächst einmal dem Urheberrecht des Anfragenden, auch wenn die Schöpfungshöhe des Machwerks hier zur persistierenden Depression ermuntert.  Nichts hätte gegen eine sinngemäße Veröffentlichung der Inhalte gesprochen mit Zitierung der ganz besonders üblen Unverschämtheiten. Die Anfrage jedoch ungefragt im Original und vollständig zu veröffentlichen … das hätte man souveräner lösen können.  Aber das nur nebenbei.
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Wie üblich: Hartz-IV-Bezieher als Steuerhinterzieher
Zu den Fragen ist anzumerken: Besagter Herr Karl benutzt das von der Springer-Presse et. al. herbeigeschriebene Parasiten-Image von Hartz-IV-Beziehern, um Aigner zu diskreditieren. Dass Aigner als sogenannter „Aufstocker“ schon einmal vorübergehend SGB-II-Leistungen bezogen hat, hatte er selbst schon an anderer Stelle veröffentlicht. Und vor allem: Es ist keine  Schande.  Ganz im Gegenteil!

Die oberbescheuerte Frage, ob Aigner durch kritische Berichterstattung über das örtliche Jobcenter vielleicht versucht habe, „sich selbst vor Sanktionen zu schützen“, wie es der Fragenkatalog unterstellt,  ist schon wieder Realsatire und an Dämlichkeit kaum zu überbieten! Wer sich vor Sanktionen des Jobcenters schützen möchte, hält zuvorderst die Klappe und macht nicht im Internet unter Klarnamen mit Kritik am eigenen Jobcenter auf sich aufmerksam.  So ein Vorgehen gilt unter H4-Empfängern als starker Hinweis auf eine hochgradige Suizidgefährdung.
Hier scheint Herr Karl nicht einmal ansatzweise die Lebensrealität von H4-Beziehern zu kennen … und die Solidarität anderer mit den Opfern eines zutiefst menschenverachtenden Systems (Zitat Professor Dr. Christoph Butterwegge) zu erkennen.

Auch die folgenden Fragen erregen üblen Verdacht: Der für die Finanzierung des Öffentlichkeitsprojekts Regensburg digital  ins Leben gerufene Verein Förderung der Meinungs- und Informationsvielfalt e.V. (Vereinsregisternummer 200 373) ist nicht gemeinnützig – wie viele andere solcher Projekte auch (siehe eine sehr umfassende Dokumentation von Netzwerkrecherche mit namentlicher Nennung auch von Rd).

Dann macht Herr Karl dem Verein zum Vorwurf, was sein einziger und in der Satzung korrekt benannter Zweck ist: die Unterstützung von Rd. Herr Karl scheut nicht vor den Begriffen „Anstiftung und Beihilfe zum Steuerbetrug“ zurück. Belege dafür hat er offensichtlich nicht; er nennt keine. Ebensowenig wie für  den Verdacht, dass „Einkünfte von Ihnen nicht ordnungsgemäß versteuert wurden?“

Vor lauter Faszination an dem hier unbeschwert geworfenen Dreck und der brodelnden Verdachtserregung mag der geneigte Leser auch den logischen Widerspruch dieses hanebüchenen Vorwurfs übersehen? Gerade eben war Aigner noch Hartz-IV-Abgreifer, jetzt betrügt er bei der Einkommensteuererklärung? Man kann den Stammtisch dahinter nachgerade hören: „Die Anzahl einkommen-, kapitalertrags- und vermögenssteuerpflichtigen Hartz-IV-Empfänger wird allgemein unterschätzt!“ Hallelujah!

Starker Tobak, der möglicherweise justiziabel ist bzw. werden könnte, wenn derlei Verdächte veröffentlicht werden.  Was nachfolgend dann unter dem Schwindeletikett Satire passiert.

Dabei wäre der Dreck – zumindest im Rekurs auf den Verein hinter Rd – gar nicht notwendig gewesen, Wochenblatt und Stadtzeitung hätten denn wenigstens ein bisschen  recherchiert (Info für Herrn Karl: So nennt man das bei Journalisten, wenn man unbelegte Vorwürfe überprüft). Gegen den Verein lassen sich andere Vorwürfe nicht nur erheben, sondern belegen, die zwar nicht strafrechtlich relevant sind, aber eine gewisse Nachlässigkeit, die Angriffsfläche bietet, im Umgang mit diesem leider notwendigen Finanzierungsinstrument offenbart. Hätten sich „Herr Karl“ und Konsorten jedoch die Mühe gemacht, mindestens einmal den Vorstand des Verein zur Förderung der Meinungs- und Informationsvielfalt e.V. zu checken, hätten sie festgestellt, dass hier alles tiptop ist: Der erste Vorsitzende ist ein Regensburger Rechtsanwalt. Stefan Aigner ist in keiner Weise personell mit dem Verein verbunden, ja er ist noch nicht einmal Mitglied dort. Von Insichgeschäften keine Spur; die nicht erfüllten Transparenzkriterien sind – auch nach telefonischer Nachfrage bei Aigner – pure Nachlässigkeit. Es steht zu vermuten, dass deren Blickdichte in naher Zukunft erkennbar gemindert wird.

„Herr Karl“ bezichtigt Rd und Stefan Aigner in seinem Fragenkatalog also diverser Straftaten. Deshalb sah sich Aigner zu diesem Kommentar unter dem genannten Artikel veranlasst:

Wir prüfen derzeit, ob wir juristisch vorgehen oder nicht. Bei dieser Abwägung spielen einerseits die möglichen Erfolgsaussichten eine Rolle, andererseits aber vor allem die Überlegung, ob man der an sich unwichtigen Stadtzeitung dadurch nicht unnötige Relevanz verleiht. Für interessensgeleitete Kampagnen ist dieses Blatt ja bekannt, sei es das Dauer-Bashing gegen Kulturreferent Klemens Unger, der Kittel um sein Bürgerfest-Quasi-Monopol und das Brückenfest gebracht hat. Sei es das Bashing gegen SPD und Wolbergs, während Kittel zeitgleich den Wahlkampf der CSU mit organisiert hat.
Dass man sich jetzt (angeblich) von mir unterschriebene Unterlagen zu früherem Hartz IV-Bezug (Aufstocker) besorgt hat, der weder ehrenrührig, noch geheim ist (Ich habe das selbst schon in Interviews erwähnt.) und während dessen Zeit ich nicht das geringste Problem mit dem Jobcenter hatte (Im Gegensatz zu den Fällen, über die wir hier regelmäßig berichten.), zeigt, wie Kittel gern vorgeht, wenn ihm jemand nicht zur Nase steht.
Dabei geht es nicht um die diversen Beleidigungen, die er unter seiner angeblichen Satire-Rubrik „In & Qut“ bereits seit fünf Monaten verbreitet. Das muss man aushalten, wenn man sich – wie ich – auch schon mit seinen Praktiken und Äußerungen beschäftigt hat und dabei auch mal hinlangt. Das ist auch nicht schlimm.
Was anderes sind die Unterstellungen gegen mich und den Förderverein. Den Begriff „Vernichtungswillen“ bzw. „Vernichtungsfeldzug“, den mir gegenüber schon einige als „zu überzogen“ bezeichnet haben, habe ich in diesem Zusammenhang sehr bewusst gewählt. Es ist nämlich ein Unterschied, ob man belegbare Vorwürfe gegen jemanden thematisiert oder ob man belegfrei, aufgrund von Vermutungen und Unterstellungen, jemanden in die Nähe von Straftaten (Steuerdelikte, Betrug, Untreue) stellt, um ihm die Existenzgrundlage (Förderverein) zu entziehen und dafür jemanden beauftragt, der auf dubiosen Wegen Unterlagen besorgt und unter Pseudonym – einen Heinz Karl gibt es nach meinem Kenntnisstand nicht – ankündigt, besser gesagt: droht, Werbekunden und Förderer zu belästigen.
(Regensburg digital Kommentar Stefan Aigner vom 03.06.16 unter Artikel „‘Gans schön Ecklhaft‘: Staatsanwaltschaft stellt Verfahren gegen Watchblog ein„)

„[…] wie Kittel gern vorgeht“ … zeigt auch das Impressum der Stadtzeitung, das noch nicht einmal die Umsatzsteueridentifikationsnummer enthält (vgl. hier Wikipedia, daselbst pikanterweise unter dem Stichwort „Steuerrecht“). Bei der Stadtzeitung weiß  offensichtlich auch niemand, wie man mit solchem Kulturkram wie Anführungszeichen korrekt umgeht.

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SatireMist-Brauch … wie von den katholischen Amigos gelernt?
Bevor wir die Chronologie dieser e[c]k[e]lhaften Schlammschlacht fortsetzen, ist noch einmal auf den hohen Stellenwert von regionalen Gegenöffentlichkeitsprojekten wie Rd hinzuweisen. „Kritischer“ Journalismus, Investigativjournalismus in der Region und lokal kommt schon längst nicht mehr von den etablierten Verlagen. Hier erhält der Begriff „Lügenpresse“ eine ganz andere Dimension, weil gerade Lokalredaktionen zwar nicht unter politischer Direktive stehen (wie das AfD & Co. generell in ihrer Lügenpresse-Kampagne behaupten), aber schon längst zum Erpressungsopfer der immer weniger werdenden Abonnenten geworden sind. Die rufen in den Lokalredaktionen an und bestellen sich ihre Berichterstattung (zum Beispiel über irgendwelche irrelevanten Pimpampelvereine mit nur 20 Mitgliedern): Wenn keine Berichterstattung, dann Abo-Kündigung. Es folgt: die gewünschte/bestellte Berichterstattung – ohne den leisesten kritischen Ansatz.

Andere solcher regional aktiven publizistischen Alternativprojekte sind zum Beispiel Ruhrbarone oder ganz im Süden Seemoz. Über Da Hog’n, „das Onlinemagazin ausm Woid“,  hatte SaSe schon einmal berichtet, als es mit Satire kollidierte.

Nachdem die Mächtigen der Region Regensburg  jahrelang versuchten haben, über Abmahnungen und Presserechtsprozesse Rd in die Knie zu zwingen, werden jetzt offensichtlich andere Saiten aufgezogen, die meiner Meinung nach in die Kategorie Verdachtsberichterstattung und Verleumdung fallen könnten (Info an Herr Karl: So etwas nennt man einen „Konjunktiv“ – vielseitig verwendbar, gerade um sich nicht dem schmierigen Ruch der Verdachtsberichterstattung auszusetzen).

Ein Höhepunkt diesbezüglich ist dann eine sogenannte „Satire“ des schon genannten Heinz Karl in der von dem ebenfalls schon genannten Unternehmer Peter Knittel herausgegebenen Stadtzeitung, die mit Satire so viel zu tun hat wie die Kuh mit dem Champagner und die SPD mit Sozialdemokratie. Für Absonderungen, die im seriösen Journalismus über die Kanalisation entsorgt werden, unterhält benannte Stadtzeitung eine Rubrik „In & Out“, die sich selbst und über einen Warnhinweis des „Bundesgesundheitsminister(s)“ der Satire unterstellt. In der Ausgabe „Juni 2016“ findet sich in dieser Satiresparte eine 22 Zeilen umfassende und meinerseits als Schmähkritik bewertete Attacke gegen Stefan Aigner, an der sich eindrücklich  der Missbrauch von Satire demonstrieren lässt. Die angebliche Satire strotzt vor verbotener Verdachtsberichterstattung und der Unterstellung von Straftaten:

… unangenehme Fragen u. a. über das Finanzgebaren seines eigenen Vereins z. B. auch in Bezug auf vereinnahmte Spendengelder stellen
[…] Der, wenn es sich gerade nicht vermeiden lässt, schon auch mal gerne die  eine oder andere Hartz 4 Leistung vom bösen Klassenfeind abgreift, steuerrechtlich wohl irgendwie noch etwas komplizierter, sich den Lebensunterhalt zusammenzubetteln
(Regensburger Stadtzeitung Juni 2016, Satire-Rubrik „In & out“; Eintrag über „SAigner“)

Übrigens erklärt Stefan Aigner diesem Blog gegenüber, Fragen zu dem Verein durchaus nicht als „unangenehm“ zu empfinden. Er hat sie noch dazu spontan und umfassend beantwortet.

Wissen wir ja Bescheid über den „linksfaschistoiden Gesinnungsblockwart“ – ein Terminus, der wörtlich in der zweiten Zeile dieses nur aus strategischen Gründen als „Satire“ etikettierten Logorrhoe-Geschehens fällt, das ansonsten bar jeder Eleganz, bar jeden Witzes bibbernd und fremdkörperhaft in der von Potemkim erbauten Satire-Kulisse steht.

DAS hat mit Satire – just my five cents – nichts zu tun. Hier fehlt schon die Richtung (siehe dazu die SaSe-Rezension zu Ist das jetzt Satire oder was?). Hartz-IV-Empfänger nur aufgrund dieses Status‘ zu diskreditieren kann niemals Gegenstand von Satire sein. Verdachtsberichterstattung wie hier mit der Unterstellung von Straftaten wie Steuer- oder Sozialbetrug, für beide Vorwürfe es offensichtlich keinerlei Belege gibt, hat keinen Anspruch auf den Schutz dieser privilegierten Gattung. Diese „Satire“ deckt nichts auf, stellt nichts dar und hat den einzigen Zweck, eine bestimmte und noch nicht einmal ansatzweise „mächtige“ Person zu diskreditieren, sie zu verleumden und ihr maximalen Schaden zuzufügen. Es fehlen auch alle satirischen Mittel wie Überhöhung und Überspitzung. Hier handelt es sich schlicht und schlank um Schmähkritik auf Kanalisationsniveau.


Stefan Aigner ist gefährlich
Warum? Warum gehen die örtlichen Honoratioren in Regensburg  ein solches juristisches Risiko ein? Jeder halbwegs beschlagene Medienanwalt würde – meiner Meinung und meiner Erfahrung nach – bei jedem beliebigen Landgericht eine einstweilige Verfügung gegen diese vermutliche Schmähkritik erwirken können. Nur: Dessen feiger, weil mutmaßlich unter diesem Namen nicht existenter Autor ruht sich möglicherweise auf dem – aktuell für Aigner gar nicht zutreffenden – Status des ALG-II-Empfängers aus, von dem er nicht erwartet, Zugriff auf die entsprechenden rechtlichen Mittel haben zu können. Rollstuhlfahrer können vor den Hooligans mit dem Baseballschläger nicht wegrennen und dem H4’lern stehen Ralf Höcker mit seiner berühmten Peitsche und seine Kollegen nicht zur Verfügung?

Öhm: Muss nicht sein, Karlchen!

Ganz offensichtlich bedeuten der FB-Account Gans schön Ecklhaft und Rd allmählich eine echte Gefahr für die politischen Seilschaften in der Region Regensburg und die Strippenzieher dahinter. Immer wieder hat Stefan Aigner durch seine Recherchen und Veröffentlichungen in der Vergangenheit deren Unzulänglichkeit aufgezeigt. Mit den üblichen juristischen Mitteln wie Abmahnungen und Presserechtsprozessen war er nicht kleinzukriegen. Es entsteht der Eindruck, dass die von seinen Veröffentlichungen Ge- und Betroffenen es jetzt mit Verdachtsberichterstattung und  als „Satire“ fehltetikettierter Schmähkritik über „linksfaschistoide Gesinnungsblockwarte“ versuchen.
Interessant an dieser Terminologie ist übrigens auch deren Nähe zu dem massiv kritisierten NachDenkSeiten von Albrecht Müller, die auch so gern die „Gesinnungspolizei“  aus jeder Zimmerecke lugen sehen!

Einmal ganz abgesehen von dem sprachlogischen Unfug eines „linksfaschistoiden Gesinnungsblockwarts“, der auf derselben Höhe wie die „herumhurende Jungfrau“ orientierungslos im Kreise flattert.


„Regensburg digital“ versus „Denkfunk“ & Co.
Die Causa zeigt aber noch einen weiteren für diesen Blog relevanten Aspekt: Die klaffende Wunde zwischen „Gegenöffentlichkeitsprojekten“, die etwas bewirken, aufdecken und den regionalen Machthabern sichtlich wehtun, und solchen, die nur populistische Phrasen raushauen und (für H4’ler übrigens unerreichbare) Abos requirieren. (Mehr zu Denkfunk auch hier.) Vor Schlammattacken, wie Aigner und Oswald derzeit aushalten müssen,  brauchen sich die saturierten Denkfunk-Autoren mit ihrem degoutanten Selfiewahn nicht zu fürchten. Sie decken gar nichts auf, sie greifen niemanden an; sie sammeln nur Gefälltmiren und sonnen sich in der Attitüde des Systemkritikers, der gemütlich dort sitzt, wo ihm nichts passieren kann und wo die Feiglinge schon immer saßen: in der Etappe.

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