TS48/16: Jan Böhmermann und: Boris Palmer leistet die Arbeit deutscher Satiriker!

+++ „FAZ“ nutzt Böhmermann-Hype zur Abrechnung mit „heute-show“
Ich kann es nicht ändern: SaSe beschäftigt sich in den letzten Tagen nur noch mit Jan Böhmermann! Aber unter den vielen Kommentaren und Meinungen zur Satire-Staatsaffäre finden sich auch viele, die vom Spezialfall Böhmermann losgelöst Grundsätzliches über Medien, Satire und deren Rezeption thematisieren. Wie zum Beispiel die FAZ mit Pubertär statt politisch. Darin extrahiert Friederike Haupt die infantilen und infantilisierenden Tendenzen deutscher Fernsehsatire.  Ihr präferierter Untersuchungsgegenstand dabei ist die heute-show, der sie insbesondere deren Kritik an der FDP und die nicht ausreichende Würdigung der Arbeit von Politikern vorwirft.

Senf: Apropos Infantilisierung: Ein Paradebespiel dafür war die in ihrem schrillen Klamauk schier unerträgliche Sendung Mann, Sieber! gestern Abend (Mediathek).


+++ „Zentralrat der Ziegen zeigt Böhmermann an“
Am satirisch elegantesten löst das ganze Galama mal wieder Der Postillon!


+++ Auch schon: Max Uthoff und Claus von Wagner erklären sich solidarisch
Es ist zum jetzigen Zeitpunkt, wo sich schon alle möglichen Figuren einschließlich des honigbelasteten Dieter Hallervorden an Böhmermanns Seite gestellt haben, zwar keine Heldentat mehr, aber auch Die-Anstalt-Macher Max Uthoff und Claus von Wagner möchten den populären Zug nicht ungenutzt vorüberfahren lassen.
Senf: Wobei man auf die „Bewertung“ eines Max Uthoffs ganz offensichtlich nicht viel geben kann


+++ Auch Oliver Welke ist auf der sicheren Seite
Auch heute-show-Headman Oliver Welke erklärt sich solidarisch und kündigt an, den Böhmermann-Eklat in der nächsten heute-show zum Thema zu machen. Recht eigentlich habe erst Angela Merkel die Angelegenheit zum Skandal gemacht. Auszeichnend für Welke: Er verrät nicht, was er von dem Gedicht selbst hält. Es berichten z. B. : Huffington Post + Die Welt + Zeit online + Tagesspiegel etc.


+++ Hinter dem Ofen jetzt zunehmend mehr Platz
Nach und nach kommen sie kommentierend, leider nicht deftige Satire über Erdogan produzierend hinter dem Ofen hervor, die „Größen“ der deutschen Satire-Szene. Vor lauter Gedränge in den Redaktionsstuben der Leitmedien und vor den Mikrofonen von ARD und ZDF muss sich Urban Priol mit dem Bayerischen Rundfunk begnügen.
Relevanter ist da schon der Kommentar des Karikaturisten Achim Greser am gleichen Publikationsort. Der kann auf persönliche Erfahrungen mit dem türkischen Despoten zurückgreifen, hatte er doch Erdogan in einer Karikatur für deutsche Schulbücher in einer Hundehütte gezeichnet. Für den regierenden Satirefreund am Bosporus war das gleich wieder Anlass, den deutschen Botschafter einzubestellen.

Senf: Wenn deutsche Satiriker und Karikaturisten sich auf ihre Arbeit statt auf ihre Selbstdarstellung stürzen würden, könnte der deutsche Botschafter gleich bei Erdogan einziehen!


+++ Hier die verfassungsrechtliche Einordnung

Der Jurist Alexander Thiele leistet bei Zeit online die verfassungsrechtliche Einordnung der Böhmermann „Schmähkritik“ unter besonderer Berücksichtigung ihres Kontexts.


+++ Die neutrale Schweiz  meint …
Die Neue Zürcher Zeitung sieht vor allem die deutsche Regierung im Dilemma – aufgrund eines Strafrechtsparagrafen aus der Kaiserzeit.


+++ ZDF-Intendant stellt sich hinter Böhmermann
In einem Interview mit der Deutschen Presseagentur hat sich ZDF-Intendant Thomas Bellut vollumfänglich hinter Böhmermann gestellt. Er bestreitet auch Druck von außen.


+++ Türkischer Sender mit krawalliger Aktion am Mainzer Lerchenberg
Türkischer TV-Sender sorgt für Aufregung titelt der Merkur und berichtet detailliert von einer skurrilen Aktion des türkischen Senders A Haber für die Sendung Yaz Boz am Dienstag vor dem ZDF-Gebäude am  Mainzer Lerchenberg. Der Merkur verabsäumt nicht den wichtigen Hinweis: „Übrigens: Der Sender, für den Yüksel arbeitet, wird vom Schwiegersohn eines berühmten türkischen Bürgers geleitet: Recep Tayyip Erdogan.“


+++ Boris Palmer veröffentlicht satirischen Brief an Erdogan
Der grüne Oberbürgermeister der Stadt Tübingen, Boris Palmer, hat sich via Facebook in einem ironischen Brief direkt an den türkischen Staatspräsidenten gewandt. Palmers Brief endet stilecht mit: „Schneiden Sie Herrn Böhmermann die Eier ab, damit er sich nie wieder über Präsidenten mit kurzem Schwanz lustig macht.“

Senf: Siehe SaSe-Argumentation oben! Soo ist es richtig: Satire über Erdogan statt Kommentare zur Causa Böhmermann! Um in der Pornolalie des Themas zu bleiben: Der klägliche Rest deutscher Satiriker weit abgeschlagen hinter Böhmermann scheint dazu einfach nicht die Eier zu haben? Jetzt muss schon ein grüner Oberbürgermeister deren Arbeit übernehmen.


+++ Die feuchten Träume von Medienanwalt Ralf Höcker
War ja klar: Professor Dr. Ralf Höcker muss sich natürlich auch noch verlautbaren. Seine Einschätzung verwundert die „Fans“ und Opfer des Anwalts mit der Peitschenkompetenz wenig: Höcker hält eine Verurteilung für wahrscheinlich, wie er der Welt erklärt.

An gleicher Stelle findet sich eine Art Live-Ticker der Solidaritätserklärungen für Böhmermann, die jetzt teilweise schon rudel- und verbandsweise abgegeben werden. Auch die BILD listet: Wer steht zu Böhmermann?

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