TS88/20: Behinderten-Diskriminierung der Discounter: So verdiene ich künftig mein Geld!

Zu TS87/20 erreicht mich der Leser-Hinweis auf einen Südkurier-Artikel vom 21. April 2020: „Kein Einkauf für Rollstuhlfahrer: Weil Wilfried Czasch keinen Einkaufswagen nahm, wurde er nicht eingelassen“. Abgespielt habe sich das Ganze bei Kaufland in Überlingen: Der Rollstuhlfahrer Wilfried Czasch wollte dort mit seiner Gattin einkaufen gehen. Das wurde ihm von Kaufland-Mitarbeitern verwehrt. Der Grund: Wegen der aktuellen Hygiene-Maßnahmen müsse er einen Einkaufswagen benutzen.
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Solche Schilder und Zugangsbeschränkungen finden sich jetzt in der Corona-Krise allenthalben vor Supermärkten und Discountern. Und die aktuellen Hygiene-Vorschriften sind noch einmal ein zusätzliches starkes Argument für die Notwendigkeit, auch Rollstuhlfahrern einen speziell für ihre Bedürfnisse konzipierten Einkaufswagen zur Verfügung zu stellen. Denn selbst wenn wir Rollis dann ohne einkaufswagen, weil ein solcher für uns gar nicht vorhanden ist, eingelassen werden, setzen die geizigen Discounter und Supermärkte uns einem verschärften Gesundheitsrisiko aus, weil wir ohne den Einkaufswagen möglicherweise den Mindestabstand unterschreiten könnten.
Foto: Thomas Ascher

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Typisch Südkurier: Dem Artikel ist nicht zu entnehmen, ob Kaufland Überlingen überhaupt Einkaufswagen für Rollstuhlfahrer anbietet. Man kann nur vermuten: nein! Denn sonst hätte Czasch sich ja eines solchen bedienen können. Die unklare Artikelpassage dazu:

Da es für ihn [i. e. Wilfried Czasch] als Rollstuhlfahrer sehr schwierig ist, auch noch einen Einkaufswagen zu schieben, protestierte er, ging dann aber nach dem Vorfall in einen anderen Überlinger Supermarkt einkaufen.
(Südkurier 21.04.2020: „Kein Einkauf für Rollstuhlfahrer: Weil Wilfried Czasch keinen Einkaufswagen nahm, wurde er nicht eingelassen“)

Es berichtet mal wieder ein Volontär, den in der Redaktion offensichtlich niemand darauf verpflichtet, die eigentliche Pointe des Vorgangs zu recherchieren und zu thematisieren: Stellt Kaufland Überlingen Einkaufswagen für Rollstuhlfahrer zur Verfügung?

Die Formulierung, es sei für einen Rollstuhlfahrer „schwierig, noch einen Einkaufswagen zu schieben“ ist eine zynische Untertreibung: Es ist schlicht unmöglich!

Czasch sei nach dem Vorfall auf die Barrikaden gestiegen. Er habe sich telefonisch sowohl mit dem Geschäftsführer von Kaufland Überlingen wie auch der Kaufland-Zentrale in Verbindung gesetzt. Beide Ansprechpartner hätten sich für den Vorfall entschuldigt.

Allerdings hat es mein Rolli-Kollege besser drauf als ich: Er hat bei der ganzen Chose einen 10-Euro-Gutschein erhalten, der ihm – wieder wegen Corona – sogar direkt aufs Konto überwiesen wurde.

Sorry, liebe Leser: Ich bin die nächsten Wochen schwer beschäftigt. Meine Publikationsdichte könnte darunter leiden. (Was insbesondere den Wainer Bürgermeister Stephan Mantz bestimmt freuen würde? [Running Gag bearbeitet]) Wenn es so ist und die Welt eine Scheibe, fahre ich ab Montag alle Discounter in der Region ab, suche nach meinen Einkaufswagen und mache die Welle, wenn es keinen gibt. Und dann verlange ich 10 Euro „Entschädigung“. Auf diese Weise werde ich sehr viel mehr Geld verdienen als mit meinen sorgfältig recherchierten und liebevoll gesenften Artikeln hier auf diesem Blog. Oder haben Sie schon jemals Lesegeld bezahlt? Oder noch viel besser: von der hier beschriebenen Möglichkeit eines klitzekleinen symbolischen „Abos“ Gebrauch gemacht?

Sehense!

Außer K. H., für den/die ich leider keine Kontaktdaten für ein aufrichtiges Dankeschön recherchieren kann, ist bisher noch niemand auf diese wichtige und meine Arbeit stabilisierende Idee gekommen!

Attention Wilfried Czasch: Es wäre sehr freundlich, wenn Sie sich mit mir in Verbindung setzen wollten. Kontaktdaten hier.

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