HInfo36: Gärtnerei Knam (2): Ein Hausverbot in zwei Versionen

„Gärtnerei Knam“ ist eine Artikelserie auf diesem Blog. Den ersten Beitrag HInfo35 finden Sie hier.

Am 6. September 2019 ging die Journalistin und Bloggerin Elke Krieg aus Langenargen den Schützenweg entlang und passierte das Gelände der Gärtnerei Knam, auf der derzeit eine riesige Kühlhalle – „Kühllager mit Wasserbehälter“ – errichtet wird. Ihr Interesse galt dem „Roten Punkt“ sowie dem Informationsblatt über EU-Gelder, die in dieses Projekt fließen. Beide Aushänge waren von außerhalb des Zauns nach Kriegs Angaben nicht lesbar.

Es sind nicht zuletzt diese EU-Gelder, welche auch das öffentliche Interesse an diesem Fall begründen.

Um die Informationen auf den vorgeschriebenen Aushängen entziffern zu können, betrat Elke Krieg das Gelände, auf dem auch ein Container zu sehen war. Sie sprach die sich dort bewegenden rumänischen Arbeiter an, die ganz offensichtlich in diesem Container wohn(t)en.
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Container auf dem Geländer der Gärtnerei Knam in der Nähe der neu und mit EU-Geldern erbauten Kühlhalle. Die Aufnahmen stammen von der Journalistin Elke Krieg. Sie wurden am 6. September 2019 angefertigt. Eine Stellungnahme der Gärtnerei Knam zu diesen Unterbringungsmodalitäten folgt. Foto: Elke Krieg

Container auf dem Geländer der Gärtnerei Knam in der Nähe der neu und mit EU-Geldern erbauten Kühlhalle. Die Aufnahmen stammen von der Journalistin Elke Krieg. Sie wurden am 6. September 2019 angefertigt. Eine Stellungnahme der Gärtnerei Knam zu diesen Unterbringungsmodalitäten folgt.
Foto: Elke Krieg

Diese optischen Eindrücke waren der Anlass für die weiteren Recherchen und Fragen der Kollegin an die Gärtnerei Knam.

Bitte bilden Sie sich noch keine oder zumindest noch keine abschließende Meinung über diese Form der Unterbringung von Saisonarbeitskräften. In einem weiteren Artikel dieser Serie wird die Gärtnerei Knam mit ihrer Stellungnahme zu diesen Unterbringungsmodalitäten zu Wort kommen.

Die Saisonarbeiter der Gärtnerei Knam berichteten Krieg in gebrochenem Deutsch des Weiteren, zum Waschen müssten sie „zum Haus von Patron“ gehen. Ihren Lohn erhielten sie als Barauszahlung „von Patron“.

Im Anschluss an diese Begegnung suchte Krieg die Gärtnerei Knam auf. Sie kam ins Gespräch mit zwei mutmaßlich verantwortlichen Damen, deren Namen sie aber nicht erfragte, weil sie zu diesem Zeitpunkt noch gar keine Veröffentlichung plante. Ihr Antrieb war zunächst reines Interesse und Irritation angesichts der Unterbringungsmodalitäten der Arbeiter.

Krieg vermutet, bei den Damen habe es sich um Angehörige der Familie Knam gehandelt. Die gaben ihr schon leicht widerwillig zur Auskunft, diese Saisonarbeitskräfte seien ihnen vom Maschinenring Tettnang vermittelt worden. Die Saisonarbeiter selbst wünschten diese Form der Unterbringung, um Kosten zu sparen.

Elke Krieg händigte den Damen ihre Visitenkarte mit dem Hinweis auf ihren Journalistenstatus aus.

Damit war der Fall zunächst erledigt. Krieg griff dieses Thema auf ihrem Blog AGORA-La nicht auf. Sie hat kein Wort zu dem Thema Gärtnerei Knam veröffentlicht.
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Auch dieses Foto entstand am 6. September 2019. Genau zu dieser Konstellation des im Freien stehenden Bettes gibt es eine Erklärung der Gärtnerei Knam, die im nächsten Artikel ausführlich wiedergegeben wird. Foto: Elke Krieg

Auch dieses Foto entstand am 6. September 2019. Genau zu dieser Konstellation des im Freien stehenden Bettes gibt es eine Erklärung der Gärtnerei Knam, die im nächsten Artikel ausführlich wiedergegeben wird.
Foto: Elke Krieg

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Mehr als zwei Wochen später, am 19. September 2019, war Langenargener Bloggerin erneut im Bereich Schützenweg unterwegs. Sie betrat das Gelände vor der Halle, wo sie einen der beiden Herren Knam zu erkennen glaubte. Der allerdings stellte sich ihr namentlich nicht vor.

Verantwortlich für die Knam Gartenbau GbR zeichnen Erwin Knam und Rolf Knam. Auch in ihrer Presseantwort an diese Redaktion geben die Herren Knam trotz expliziter Frage danach nicht preis, wer von ihnen die Begegnung mit Elke Krieg am 19. September 2019 hatte.

Aus dieser Not heraus verwende ich nachfolgend die Bezeichnung „X Knam“, die in keiner Weise eine Abwertung in sich trägt.

Krieg habe X Knam freundlich angesprochen: „Hallo! Haben Sie die Halle schon bestückt?“ X Knam habe das verneint. Die Journalistin habe dann darauf hingewiesen, dass sie noch ein paar Fragen zu  der Halle und der dort überbauten Fläche hätte.

Zu dem, was dann passierte, gibt es zwei verschiedene Versionen. Aufzeichnungen der Begegnung gibt es – ebenso leider wie selbstverständlich – nicht. Auch keine Zeugen.
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Elke Krieg fühlt sich bedroht
Wir beginnen mit der Version von Elke Krieg, die unmittelbar nach der höchst irritierenden Begegnung ein Gedächtnisprotokoll davon angelegt hat. Ich zitiere wörtlich aus diesem:

X Knam: „Ich muss mich nicht vor Ihnen rechtfertigen. Die Halle ist ordnungsgemäß gebaut. Außerdem habe ich Ihnen per Mail Hausverbot erteilt. Verlassen Sie sofort das Gelände!
Krieg: „Ich habe keine Mail bekommen!“
X Knam: „Doch. Mit meinem Absender Knam Gartenbau. Ich  erteile  Ihnen  jetzt hier nochmals Hausverbot, verlassen Sie sofort  mein  Gelände. Sie  haben  neulich  meine  Arbeiter  befragt,  das geht  Sie nichts  an. Wenn  Sie darüber  schreiben, werde  ich  Sie  verklagen , Sie  müssen  mit  allem  rechnen!
Krieg: „Wollen  Sie mir drohen?“
X Knam: „Sie müssen mit  allem rechnen!
(Gedächtnisprotokoll Elke Krieg zu der Begegnung mit X Knam am 19.o9.2019; Hervorhebg. K. B.)

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Interessant an diesem kurzen Dialog ist der Hinweis auf die angeblich nicht erforderliche Rechtfertigung für einen Unternehmer, der ein in Langenargen sehr umstrittenes Projekt mit EU-Geldern finanziert.

Krieg war X Knam  offensichtlich als Journalistin bekannt. Zu dem Zweck hatte sie ja auch die Visitenkarten am 6. September 2019 hinterlegt.

Zu der von X Knam ausgestoßenen Klage-Drohung, die inzwischen auch bestätigt ist, sei auf eine aktuelle Studie der Otto-Brenner-Stiftung verwiesen, die im Titel Knams Wortwahl trägt: „Wenn Sie das schreiben, verklage ich Sie!“. Ich habe an dieser Studie mitgewirkt.

Krieg versichert mir glaubwürdig, keine E-Mail von der Gärtnerei Knam erhalten zu haben. E-Mail-Versand ist bekanntlich ein sehr unsicherer Informationsweg. Deshalb haben per E-Mail verschickte Informationen auch nur begrenzte rechtliche Wirkung.

Elke Krieg fühlt sich durch diese Äußerungen von X Knam massiv bedroht. Insbesondere die Ankündigung, sie müsse „mit allem“ rechnen, drängt nach ihrem Empfinden weit über den Rahmen sogenannter rechtlicher Schritte hinaus. Juristische Maßnahmen zum Beispiel gegen falsche Tatsachenbehauptungen oder die Verletzung von Persönlichkeitsrechten liegen jenseits des Areals an Konsequenzen, die hier angeblich mit der Wendung „mit allem“ abgesteckt worden sein sollen.
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Die Begegnung aus Sicht der Gärtnerei Knam
Ganz anders stellt sich der Ablauf dieser Begegnung aus der Sicht der Gärtnerei Knam dar. Die hatte ich am 23. September 2019 per Mail um eine Stellungnahme sowohl zu dieser Begegnung mit Elke Krieg wie zu anderen brennenden Fragen (Unterbringung der Saisonarbeitskräfte, Baugenehmigung) rund um diese Kühlhalle gebeten.

Allein zu der strittigen Begegnung am 19. September 2019 hatte ich fünf Fragen gestellt. Unter anderem wollte ich wissen, ob die Ankündigung, „mit allem“ rechnen zu müssen, auch Gefahr für Leib und Leben von Elke Krieg beinhalte.

Die Presseauskunft der Gärtnerei Knam erfolgte prompt (schon am nächsten Tag) und ausführlich. Wer der beiden Herren Knam Kriegs Gesprächspartner gewesen ist, erfuhr ich allerdings nicht.

Zum Thema Hausverbot schreibt die Gärtnerei Knam:

In der Tat besteht ein Hausverbot. Dieses Hausverbot wurde im Vorfeld gegenüber Frau Krieg per E-Mail ausgesprochen. Ob dieses E-Mail zugegangen ist, können wir nicht beurteilen. Die aktuelle Erörterung dieses Hausverbotes zeigt, dass es zumindest jetzt bekannt ist. Weiterer Schriftverkehr zu diesem Thema erübrigt sich deswegen.
(Gärtnerei Knam Presseauskunft am 24.09.2019 an diese Redaktion)

Das Hausverbot ist also bestätigt.

Zu meinen Fragen 4 und 5, welche die Inhalte der kritischen Begegnung aus der Sicht von Elke Krieg zum Gegenstand hatten, schreibt die Gärtnerei Knam:

Wir verwahren uns gegen inhaltlich falsche Berichterstattung und haben dies gegenüber Frau Krieg zum Ausdruck gebracht. Die Androhung rechtlicher Schritte als möglicher Reaktion bezieht sich ausschließlich auf eine etwaige inhaltlich falsche Berichterstattung. Im Zusammenhang mit der Androhung rechtlicher Schritte wurde dann in der Tat darauf hingewiesen, dass alle gegebenen Möglichkeiten ausgeschöpft werden sollten. Es fällt uns schwer nachzuvollziehen, dass aus der Androhung rechtlicher Schritte die Sorge abgeleitet wird, dass Gewalt ausgeübt werden könnte. Die Ausübung jeglicher Gewalt steht selbstverständlich nicht zur Debatte.
(ibid.; Hervorhebg. K. B.)

Wir und alle SaSe-Leser nehmen das bitte so zur Kenntnis.

Auffallend ist die dreimalige Wiederholung der „Androhung rechtlicher Schritte“, die in diesem Stadium der Recherche und der Angelegenheit einfach keinen Sinn ergibt. Eine solche Drohung unterstellt – siehe oben – eine Berichterstattung, die von den Fakten abweicht. Mir ist bisher kein Fall und kein Gerichtsurteil bekannt, der oder das Elke Krieg falsche Berichterstattung bescheinigt.
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In Langenargen sei die Empörung über die "Kathedrale vom Bierkeller" groß, wie die Kollegin berichtet. "Bierkeller" bezieht sich dabei auf die Ortsteilbezeichnung. "Kathedrale" beschreibt die gigantomanischen Ausmasse dieser Kühlhalle mit Zisterne von 40 x 35 Meter und einer geplanten Höhe von 13,98 Meter (Zitat aus Gemeinderatsbeschluss Mai 2018). Auf das ganz besondere Schmankerl einer Baugenehmigung im Außenbereich ohne Vorhandensein einer funktionierenden Erschließungsstraße - Eingeständnis der Gemeinde Langenargen selbst im Juni 2019 - werden ich noch zu schreiben kommen. Foto: Elke Krieg

In Langenargen sei die Empörung über die „Kathedrale vom Bierkeller“ groß, wie die Kollegin berichtet. „Bierkeller“ bezieht sich dabei auf den Ortsteil. „Kathedrale“ beschreibt die gigantomanischen Ausmaße dieser Kühlhalle (mit Zisterne) von 40 x 35 Meter und einer geplanten Höhe von 13,98 Meter (Zitat aus Gemeinderatsbeschluss Mai 2018). Auf das ganz besondere Schmankerl einer Baugenehmigung im Außenbereich ohne Vorhandensein einer funktionierenden Erschließungsstraße – Eingeständnis der Gemeinde Langenargen selbst im Juni 2019 – werden ich noch zu schreiben kommen.
Foto: Elke Krieg

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Um die Gefühle, die solche düsteren Drohungen auslösen, nachempfinden zu können, stelle man sich vor, ein Kunde an der Kasse der Gärtnerei Knam kündigt an: „Wenn Sie mir minderwertige Ware verkauft haben, verklage ich Sie!“

Das ist keine Form des Umgangs miteinander?

[Fortsetzung folgt]

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