TS111/20: Bürgermeisterwahl in Salem: Südkurier-Podiumsdiskussion nur für Abonnenten!

[Aktualisierung hinsichtlich Wahldatum am 18.08.2020]

Bis heute hat SaSe das Thema sauber und bewusst ausgeklammert: die am 29. 27. September 2020 anstehende Bürgermeisterwahl in Salem. Bisher – und bitte behalten Sie dieses „bisher“ ganz besonders gut in Erinnerung … – gibt es insgesamt drei (3) Kandidaten.

Da ist zum einen Amtsinhaber Manfred Härle (CDU), der sich mit einer gut gemachten Internetseite auch digital präsentiert. Dass sich der Mann keinen guten Anwalt leisten kann, soll ihn ja nicht gleich für das Amt disqualifizieren … (Was bin ich heute wieder generös!)

Böte Härle auf seiner Wahlkampf-Webseite für die Presse kostenlose Porträtbilder zum Download an, wie das etwa sein stark heimatfühliger Mitbewerber tut, hätte ich ihn hier phänotypisch zur Sprache kommen lassen. So bleibt uns nur das freilich auch sehr aussagekräftige Symbolbild:
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Symbolbild! Amtsinhaber und Wiederbewerber für das Bürgermeisteramt in Salem: Manfred Härle. Und ich will keine Klagen hören noch dilettantische Anwaltsabmahnungen erhalten: Wer der wirklich freien Presse auf seiner Wahlkampf-Homepage noch nicht einmal Fotos zum Download anbietet, muss mit solchen Symbolbildern leben!
Bild von Ryan McGuire auf Pixabay

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Sehr erfreulich für Anhänger von Gender-Gerechtigkeit und Menschen mit hohem Sättigungsgrad gegenüber alten weißen Männern ist die Kandidatur der Salemer Bürgerin Birgit Baur. Sie ist die Ehefrau des SPD-Gemeinderats Fritz Baur, was ihr von einem Mitbewerber schon die Kategorisierung als schierer Beifang eingebracht habe.
Ich sach jetzt mal nix dazu …

Baur (Südkurier-Porträt hier) hat für den Wahlkampf keine eigene Internetseite gestartet. Diese Form der digitalen Selbstdarstellung passe nicht zu ihr, wie sie gegenüber dieser Redaktion erklärt. Dafür gibt es von ihr einen ebenfalls sehr aussagekräftigen Flyer, den Baur bei ihrem gewollten „Haustür-Wahlkampf“ verteile. SaSe-Leser finden ihn hier!
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Viel Gefühl, viel Heimat, viel Einigkeit, wenig Orthografie …
Ganz neu in Salem und in der politischen Arena dort ist der promovierte Wirtschaftsingenieur Dr. Roland Martin (Südkurier-Porträt hier). Martin stammt aus Bayern, ist 57 Jahre alt und gibt (wenig überzeugend) an, Kommunalpolitik sei „ein lang gehegter Wunsch“ von ihm.

Kandidat für die Bürgermeisterwahl in Salem 2020: Dr. Roland Martin. Im Gegensatz zu anderen … stellt Martin auf seiner Wahlkampf-HP der Presse selbstverständlich ein Foto zum Download bereit. Kleiner Verbesserungstipp von mir: Für Internet-Publizistik wäre ein Porträt-Foto mit geringerer Datenmenge komfortabel? Durch diesen Service umgeht man ziemlich sicher Symbolfotos …
Foto: www.salemwahl.de Dr. Roland Martin


Zum einen fragt sich die Satirikerin, was die inneren Wünsche Martins mit dem Salemer Wohl zu tun haben. Zum anderen tönt ihr dieses Motiv auch leicht kitschig im Ohr. Mit den bekannten Attributen „männlich“, „weiß“ und – man lese seinen Internetauftritt und höre ihm zu (Salemer informieren mich, es sei nicht schwer, seine Redeanteile auszumachen …)  – „ich bin der größte Knall im All“ präsentiert er sich ebenfalls mit einer eigens für den Bürgermeister-Wahlkampf in Salem konzipierten Homepage. Bei der verrät schon die URL etwas über den Kandidaten. Das tut die URL aber nicht allein. Auch die Texte … Sprachwissenschaftlern und Menschen mit orthografischer Sensibilität sind sie nicht unbedingt zu empfehlen. By the way: „Herzlich willkommen“ schreibt man so!

Diese Info richtet sich nicht nur an Dr. Martin, sondern an beide männlichen Bewerber. Beide bisherigen …
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Ausschnitt aus Bildzitat Screenshot Internetseite des Amtsinhabers und Bürgermeister-Kandidaten Manfred Härle. (Die Adressdaten wurden zum Schutz der Persönlichkeitsrechte sicherheitshalber unkenntlich gemacht.) Ich frage mich ja immer, wie Menschen, die noch nicht einmal die Orthografie banalster deutscher Wendungen wie etwa „herzlich willkommen“ beherrschen, so etwas Komplexes und Kompliziertes wie eine Gemeinde verwalten wollen? Aber diesbezüglich unterscheiden sich die zwei bisher bekannten (!) männlichen Bewerber in Salem nicht! Aber Birgit Baur kann’s!

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Inhaltlich auffallend bei Martin sind haufenweise Plattitüden und Klischees. Für mich zu viel „Gefühl von Heimat“ (für einen Bayer in Salem?) und zu viel Geschreibe von „Einigkeit“. Zu welchen Exzessen diese Einigkeitsverbissenheit von Bürgermeistern führt, hat … okay, das ist jetzt ein weiter Sprung – dieses Gerichtsurteil sehr schön dokumentiert. „Einigkeit“ macht immer Abtrag an der Demokratie!

Es bleibt zu hoffen, dass Martins analytische Kompetenzen über sein dem Südkurier berichtetes Gefühl (!), die Gemeinde „sei etwas gespalten“, hinausreicht. Meine Güte, was und wer ist heutzutage denn nicht gespalten – außer meinem Holz, das noch im Wald liegt!

Aus rein orthografischen Gründen müsste ich Birgit Baur zur Wahl empfehlen. Sie schafft in ihrem Flyer sogar, was noch nicht einmal die Damen und Herren bei den ARD-tagesthemen hinkriegen: korrekte Tabellen-Rechtschreibung.
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Mit Spannung erwartet: der „Rohr-Kandidat“
Ich bat meine Leser oben, das „bisher“ (bezüglich der Kandidatenliste) im Hinterkopf zu behalten. Aus Gründen. Auch in der Südkurier-Berichterstattung fällt auf, dass die bisher bekannte Kandidatenliste penetrant mit Adverbien offengehalten wird, welche die zeitliche Gültigkeit begrenzen. Sicher kennen die Südkurier-Redakteure Hilser und Santini ebenfalls das in Salem wabernde Diktum vom „Rohr-Kandidaten“. Also ein irgendwo verbuddeltes Rohr, aus dem dann zur rechten Zeit, mutmaßlich kurz vor knapp zum Bewerbungsschluss am 31. August 2020, wie Kai aus der Kiste noch ein weiterer Kandidat krabbeln soll/wird/könnte.

Ich finde die Rohr-Metapher gefährlich … wegen des gleichfalls in diesem Kontext auch bekannten Krepierers?
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Demokratie à la Südkurier
Rohr hin, Beifang her, Plattitüden-Trommler weg. Im Moment reicht es, wenn man sich ernsthafte Sorgen darum macht, wie „öffentlich“, transparent und bürgernah dieser Wahlkampf unter den reichlich zur Verfügung stehenden Corona-Ausreden denn werden wird. Und da sieht es ganz düster aus.

Der Südkurier kündigt eine besonders schräge Veranstaltung an: eine dentalanalytische „Podiumsdiskussion“ mit allen („bisher“ bekannten) Kandidaten, zu dem dann aber nur wenige ausgewählte SüdkurierAbonnenten Zutritt haben sollen.

Salem hat rund 11.000 Einwohner. Der Südkurier lädt am 22. September 2020 zu seiner exklusiven Leser-Veranstaltung ins neue Rathaus. Auf Deutsch: Ein gewinnorientiertes Unternehmen darf die vom Steuerzahler berappte Luxus-Baulichkeit für seinen Kundenservice benutzen. Vermutlich auch noch umsonst?

Da warten wir doch alle gespannt auf den nächsten Bürgermeisterwahlkampf in Oberndorf am Neckar. Dort wird die Kandidatenvorstellung dann von Heckler & Koch organisiert. Zutritt dazu haben nur H&K-Kunden, die zum Nachweis ihres Kundenstatus ihre Knarre am besten gleich mitbringen?

Der Zutritt in Salem wird selbst unter den Südkurier-Kunden – wegen Corona – nur wenigen vergönnt sein. Wie wenige das sein werden, das verrät die ohnehin für eine Bewertung durch den Presserat zu empfehlende Ankündigung nicht:

Die (leider wenigen) Sitzplätze werden exklusiv unter den SÜDKURIER-Abonnenten verlost, je zwei Plätze. Anmeldung über die Internetseite meinsk.de/salem. Der Anmeldeschluss ist am 13. September. Danach werden die ausgelosten Teilnehmer informiert.
(Südkurier 14.08.2020: „Südkurier fühlt Salemer Bürgermeisterkandidaten bei Podiumsdiskussion auf den Zahn“;, Hervorhebg. K. B.)

Dazu mailt mir ein Salemer Bürger: „Verstehen Sie, warum ich eine solche Tageszeitung nicht abonniere?“ Und ich antworte ihm: „Ja, das verstehe ich sehr gut!“ Der Katy Cukos beim Südkurier sind einfach zu wenige!

Andererseits wäre diese meines Erachtens vollkommen inakzeptable Südkurier-Kundenakquise-und-Service-Veranstaltung natürlich eine großartige Gelegenheit für Salemer Bürgermeister-Kandidaten zu demonstrieren, dass sie ein solches Gemauschel zwischen Politik und Wirtschaft unter ihrer Amtsführung nicht mehr dulden werden. Kandidaten mit Rückgrat müssten sich dieser Veranstaltung verweigern? Und sei es allein schon aus dem Grund, dass sie dabei Gast in den Räumen ihres Mitbewerbers wären! Mit Rückgrat geht so etwas nicht!
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Kandidaten-Vorstellung der Gemeinde
Diese oberschräge Südkurier-Veranstaltung ist aber nicht die einzige Möglichkeit, die Kandidaten kennenzulernen. Nur leider verspricht die von der Gemeinde veranstaltete Vorstellung auch nicht mehr Zutritt, Transparenz und Austausch; auch wenn Corona ein ernstzunehmender Grund dafür ist.

Die offizielle Kandidatenvorstellung der Gemeinde findet am 16. September, 19 Uhr, in der BZM-Sporthalte statt. Da die Corona-Abstandsregeln einzuhalten sind, gibt es nur eine begrenzte Anzahl von Sitzplätzen.
(ibid.; Hervorhebg. K. B.)

Na, toll! Wie viel Sitzplätze genau das denn sind, wird nicht verraten. Vorreservierungen sollen vorab per Mail oder Telefon an die Gemeinde erfolgen. Wie viel Vertrauen dann zum Beispiel die Mitwirkenden vom Aktionsbündnis Grünzug Salem in die Unabhängigkeit der Verwaltung haben, dass ihre „Bewerbung“ gleichberechtigt behandelt wird, darüber will ich nicht spekulieren. Es reicht ja, dass ich es erwähnt habe …

Immerhin ist vorgesehen, die Kandidatenvorstellung live ins Internet und in den Prinz-Max-Saal zu übertragen. Ob und wie den Bürgern dabei Gelegenheit geboten wird, ihre Fragen direkt an die Kandidaten zu stellen, geht aus all den nebulösen Ankündigungen auch nicht hervor.

Und das alles lassen sich die Salemer gefallen?

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