TS144/20: #LaWahl: Mimosenkandidat Mark Walkucz scheidet aus

Ach Gottchen: Der Bewerber für das Bürgermeisteramt in Langenargen Mark Walkucz möchte jetzt doch nicht mehr kandidieren. Das vermeldet die Schwäbische Zeitung heute um 12.43 Uhr. Der angegebene Grund ist interessant:

Mark Walkucz möchte doch nicht mehr Bürgermeister von Langenargen werden. Das teilte der 45-Jährige am Montagvormittag mit. Der Grund dafür seien Äußerungen über ihn im Netz. Doch so einfach kann er die Kandidatur nicht zurückziehen, sagt Hauptamtsleiter Klaus-Peter Bitzer.
(Schwäbische Zeitung 19.10.2020: „Bürgermeisterkandidat in Langenargen will nicht mehr antreten – warum er trotzdem muss“; Hervorhebg. K. B.)

Schuldig, Frau Vorsitzende, wir Bloggerinnen bekennen uns (erneut) schuldig. Denn insbesondere die Kollegin Elke Krieg hatte auf ihrem Blog Agora-La Fundstücke zu Mark Walkucz aus dem Netz veröffentlicht, die doch Anlass zur Sorge geben. Neben dort bekundeter Vorliebe für die Gothic-Szene, seinen Empfehlungen von Geister- und Horrorfilmen sowie „merkwürdigen Gruppen“ war es vor allem Walkucz‘ Begeisterung für den rechtsdrehenden Verschwörungstheoretiker und Barde Xavier Naidoo, die irritierte.

Solche im schematischen Bewerbungsprofil von Bürgermeister-Kandidaten nicht vorkommende, aber öffentlich bekannten Vorlieben und Neigungen zu recherchieren und zu thematisieren, ist natürlich primäre Aufgabe der (regulären) Presse. Elke Krieg hat ihre Informationen ja nicht aus der untersten Schublade von Walkucz‘ Nachttisch. Sie stehen für jedermann lesbar im Netz!

Und wenn ein Kandidat nur schon aufgrund der Thematisierung seiner eigenen Veröffentlichungen im Internet in die Knie geht und seine Kandidatur zurückziehen will, muss er sich fragen lassen, mit welcher Ernsthaftigkeit er sich überhaupt beworben hat. Wie will eine solche Mimose denn später einmal mit der öffentlichen Kritik umgehen, die ihm als amtierender Bürgermeister zwangsläufig begegnen wird?

Elke Krieg hat damit den besten Beweis für die Existenzberechtigung lokalpolitischer Blogs geliefert, der denkbar ist. Nebenbei belegt sie auch das Versagen der offiziellen Lokalpresse, die sich um solche wichtigen Hinweise auf die Verfassungstreue von Kandidaten für öffentliche Ämter gar nicht erst kümmert. Weil sie auch gar nicht recherchiert …

Und zu dem häufig und abschätzig vorgebrachten Einwand von den etablierten Medien, wir Blogger*innen hätten doch so eine geringe mediale Reichweite, sei für den vorliegenden Walkucz-Fall einmal auf seine aktuellen Google-Ergebnisse verwiesen:
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Ausschnitt aus Bildzitat Screenshot Google-Suche „Mark Walkucz“ am 19. Oktober 2020

Der SaSe-Artikel über Walkucz erscheint schon an dritter Stelle auf der ersten Seite; der Treffer für den Blog Agora-La steht an achter Stelle, erklärbar aus der Tatsache, dass Kriegs Blog erst etwas über ein Jahr existiert. Ihre Google-Ergebnisse werden sich über die Zeit vermutlich noch deutlich verbessern. Mediale „Reichweite“ definiert sich heutzutage eben nicht mehr über irgendwelche Auflagenzahlen, sondern eben zum Beispiel über Suchmaschinen-Ergebnisse.

Kriegs und meine Veröffentlichungen zur Person werden auf der ersten Seite der Suchmaschinen-Ergebnisse genannt. DAS ist unsere Reichweite! Suchen Sie sich irgendeinen Suchbegriff aus, der in der Kommunalpolitik der uns umgebenden Landkreise derzeit eine Rolle spielt und testen Sie selbst: Die dazugehörigen Blog-Artikel werden meistens schon auf der ersten Seite der Google-Ergebnisse genannt.

Unklar ist mir persönlich auch, wie monatlich rund 20.000 Seitenzugriffe zu dem Deklassifizierungsvorwand „geringe Reichweite“ passen?

Aber es ist immer komfortabler, wenn dich der Gegner unterschätzt!
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Schon der zweite Kandidat, der aufgrund von Blog-Publizistik zurückzieht?
Beunruhigender Weise ist das jetzt allerdings wohl schon der zweite Kandidat für die Bürgermeisterwahl in Langenargen, der aufgrund von Blog-Publizistik von der Fahne geht?

Für den anderen Fall – den Kandidaten Michael Stadler – können wir es nicht beweisen. Aber Krieg und ich haben sichere Belege dafür, dass unsere – zu einem frühen Zeitpunkt von mir gegenüber einer Stadler-Vertrauten auch angekündigte – Veröffentlichung seiner möglichen Urheberschaft für den Facebook-Account „Langenargen – Die Gruppe“ zumindest ein (1) Faktor für seine Entscheidung gewesen sein könnte, in Langenargen nun doch nicht offiziell zu kandidieren (Artikel dazu auf Agora-La, Artikel auf SaSe). Stattdessen bewirbt sich Michael Stadler derzeit um das Bürgermeisteramt in Dotternhausen (hier).

Stadler selbst erklärt seinen „Rückzug“ (er hatte nur das „Gelände in Langenargen sondiert“, aber noch keine offizielle Bewerbung abgegeben) in einer Presseauskunft an Krieg wie folgt:

Die Gemeinde muss zum Kandidaten und umgekehrt passen. Bei Langenargen war das in meinen Augen einfach nicht der Fall und entsprechend begründet sich auch der Umstand dass ich in Langenargen weder kandidiere noch eine entsprechende Bewerbung eingereicht habe und werde.
(Presseauskunft Michael Stadler an die Redaktion des Blog Agora-La am 08.10.2020)

Offiziell sind Krieg und ich damit „entlastet“!

Mit dem nicht namentlich konkretisierten Vorwurf von Mark Walkucz („Äußerungen über ihn im Netz“) in der heutigen SchwäZ können wir sehr gut leben. Im Gegenteil: Sie vermitteln uns das angenehme Gefühl, unseren „Job“ gemacht zu haben! Denn es kann ja wohl nicht angehen, dass ein Kandidat für das Bürgermeister-Amt seine Bewerbung davon abhängig macht, was die Bürger und Wähler aus offiziell verfügbaren Informationsquellen NICHT über ihn erfahren.

Bitter für die Wahl in Langenargen allerdings ist die Tatsache, dass Mark Walkucz trotz seines Rückzugs auf dem Wahlzettel erscheinen wird. Die entsprechenden Fristen sind abgelaufen. Das könnte einen Teil der in Langenargen ohnehin vom Bürgermeister-Thema massiv Frustrierten dazu veranlassen, ihr Kreuzchen in falsch verstandener Protestattitüde hinter seinem Namen zu setzen. Damit gingen dann wichtige Stimmen verloren.

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