TS19/19: Energiepark Hahnennest: Der Startschuss für das Museum verfehlter Agrarpolitik kriecht jetzt los

Die Schnecken werden gebeten sich anzuschnallen. Wie aktueller, in der Tonalität jedoch durchaus bemerkenswerter Lokalberichterstattung – regional exzeptionell sogar im Doppelpack von Südkurier UND Schwäbische Zeitung – zu entnehmen ist,  geht es jetzt voll los mit dem 1.000-Kühe-Stall in Ostrach. Soll es losgehen …

Weil ich mich hier schon so schön auf den Südkurier eingeschossen habe, fokussieren wir uns auch hinsichtlich der jetzt abgeschlossenen immissionsrechtlichen Prüfung des 1.000-Kühe-Stall-Vorhabens durch das Landratsamt Sigmaringen auf die Vertextung durch den Südkurier-Redakteur Siegfried Volk.

Es ist der Leiter des Fachbereichs Umwelt und Arbeitsschutz im Landratsamt Sigmaringen, Adrian Schiefer, der erst dem Südkurier und dann dem Leser das Ausmaß an Umfassung und Detailtiefe der Prüfung für die Genehmigung zum Bau und Betrieb des Mega-Stalls in Ostrach-Hahnennest erklärt. Zum potentiellen Interessenskonflikt zwischen einem für diese Genehmigung zuständigen Landratsamt, dessen Chefin einen Aufsichtsratssessel bei dem gleichfalls über eine Tochtergesellschaft (Erdgas Südwest) und Millioneninvestitionen in Hahnennest involvierten Energiekonzerns EnBW bebrütet, muss Schiefer ja nichts sagen. Und Siegfried Volk nichts schreiben.

Für die Bürger im Allgemeinen und die Südkurier-Leser im Besonderen viel wichtiger dagegen ist, dass das vom Aktionsbündnis gegen den 1.000-Kühe-Stall initiierte Petitionsverfahren im Landtag Baden-Württemberg „keine Mängel“ im Genehmigungsverfahren erkennen konnte.

YES! Bloß keine Verfahrensfehler! Nix schlimmer als solche. Sehendes Auges ein Projekt realisieren, das krass offensichtlich allen agrarpolitischen Zukunftsversprechen der EU und der deutschen Bundesregierung widerspricht, aber immerhin ohne Verfahrensfehler!  Das macht den Deutschen eben keiner nach. Ich verkneife mir hier die ethisch nicht angemessenen Verweise auf technische Perfektion und verfahrensrechtliche Vorzüglichkeit früherer Verbrechen [nicht], gemahne aber sanft daran, dass diese längst überholten Orientierungen offensichtlich immer noch gelten?

Aber wenn wir schon beim Ekeligen sind: Es kotzt der Tierfreund im Kreis bei der von Schiefer wiederholten und vom Südkurier nicht hinterfragten Tierwohl-Propaganda:

„Der 1000-Kühe-Stall wird mit der vorliegenden Planung und einer intensiv durchgeplanten und durchdachten Betriebsstruktur und –organsiation [sic] den vielfältigen gesetzlichen Anforderungen gerecht. Mit zahlreichen Auflagen haben wir die Leitplanken gesetzt. Das beginnt bei hohen Standards zum Tierwohl und reicht bis zur Überwachung des Grundwassers. Das müssen die Landwirte exakt überwachen und dokumentieren“ fasst Schiefer zusammen.
(Südkurier 04.03.2019: „Genehmigung für den 1.000-Kühe-Stall in Ostrach“; Hervorhebg. K. B.)

Ach, die „Landwirte“ überwachen sich gar selbst? Wie praktisch!

Der Südkurier erwähnt dann immerhin noch ein Rinnsal des „überregionalen Aufsehens“, für welches das Mega-Stall-Projekt seit Jahren sorgt: „200 Schreiben gegen den Kuhstallbau“. Hierfür opfert Volk ganze drei Zeilen. Und er entlässt den Leser mit dieser herrlichen und den Artikel abschließenden Versicherung eines „Umweltfachmann“s – Quatsch mit Soße: eines Beamten im Landratsamt Sigmaringen – in die Realität des jetzt zur baulichen Realisierung schreitenden Wahnsinns: „Wir haben uns mit allen relevanten Punkten [gemeint: Kritik in den 200 Schreiben – Anmerkung K. B.] auseinandergesetzt.“

BESTIMMT! Wer möchte das bezweifeln? Aber wie will man sich auch ergebnisorientiert mit solchen Fakten wie dem auseinandersetzen, dass ausschließlich an Stallhaltung gewöhnte 1.000 Kühe im Brandfalls durch nichts und niemanden dazu veranlasst werden können, einen brennenden Stall zu verlassen? Doch nicht etwa derart, ein solches Projekt aufgrund dieser unlösbaren, aber immerhin NUR ethisch relevanten Probleme nicht zu genehmigen.

Immerhin haben die Nachfolgegenerationen in Ostrach und im Landkreis Sigmaringen später dann einmal einen kurzen Weg zum begehbaren Freilichtmuseum der (in ihrer Summe zahlreichen) Gründe für den klimatisch-ökologischen Untergang.

Warnung an die Schnecken: Bloß keine hektische Betriebsamkeit. NOCH glüht der letzte Sicherungshaken – die vom BUND angekündigte juristische Intervention gegen Herrn Schiefers ach so gründliche und „sehr detaillierte“ Prüfung im Verfahren zur BImSch-Genehmigung (Bundesimmissionsschutzrecht). Allerdings wird es auch dabei wieder nur um verfahrensrechtliche Aspekte gehen und nicht etwa darum, ob der Energiepark Hahnennest zum Beispiel im Brandfall zum Akutgrill für 1.000 Kühe plus Nachwuchs wird.

Die Nach-uns-die-Sintflut-Ignoranten im Landkreis Sigmaringen werden schon einmal gebeten, die Barbecue-Soße bereitzuhalten.

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TS19HahnennestStartschussAgrarpolitischesMuseumGrillfleischFoto: Sabine-Susann  Singler / pixelio.de

1 Kommentar

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oh, wie wahr und gar köstlich zu lesen, wäre da nicht dieser bittere Aspekt, dass wieder mal die Agrarindustrie vor dem wirklichen Tierwohl (kein 1000-Kühestall) gesiegt hat.
Noch eine Anmerkung dazu.
Ein dem „Tierwohl“ gewidmetes Gutachten, welches dem Petitionsausschuss vorlag und in welchem doch erstaunlicherweise einige „gute“ Forderungen geschrieben wurden, waren es wohl auch nicht wert, vom Petitionsausschuss im Abschlussbericht besonders darauf hin zuweisen und diese sogar als Empfehlung dem Landtag vorzulegen.

Über die Südkurier und SZ – Berichte, nun sie gehören ja auch zur Lücken-Presse, ehemals Lügenpresse.

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