SaSe57: Offener Brief der HuffPo an „Die Anstalt“: Euer „Ken-Jebsen-Gedächtnis-Kabarett kotzt mich an“

Sebastian Christ von der Huffington Post hat einen offenen Brief an Max Uthoff und Claus von Wagner geschrieben, der kein Blatt vor die Taste nimmt: Eure Verschwörungstheorien kotzen mich an lautet die reichlich derbe Überschrift und inventarisiert dann weiter: „riesiger Unsinn“, „Wirtshausstrategen“, „sachliche Fehler“, „großspurig“ und kulminiert in dem Label „Ken-Jebsen-Gedächtnis-Kabarett“.

Es ist nicht die erste Attacke, die Sebastian Christ gegen linkes politisches Kabarett reitet. Im März 2015 schalt er Volker Pispers, „der die Deutschen für dumm verkauft“. SaSe hatte in TS4/15 darüber berichtet.
Einen Überblick über Christ-Verlautbarungen in der HuffPo findet der Interessierte hier.

Inzwischen jedoch und durch enge beobachtende Begleitung der Umtriebe der Kabarettisten komme ich nicht umhin, die Christ-Kritik etwas ernster zu nehmen. Dabei löst sich SaSe von der alleinigen inhaltlichen Betrachtung der Sendung Die Anstalt. Denn ehrlich gesagt ist mir inzwischen nicht mehr klar, wie unabhängig die Redaktion dort überhaupt ist. Die Akteure des Vereins Global Change Now e. V. (GCN) mit engen Verbindungen zur Occupy-Bewegung, die personell alle Fäden bei der Kabarettistenvereinigung D(d)enkfunk in der Hand haben und im Internet mit Fake-Profilen unterwegs sind, haben auch bei Die Anstalt ihre Finger im Spiel. Das geht inzwischen schon so weit, dass Denkfunk die ZDF-Sendung samt Logo für sich vereinnahmt (vgl. SüS11). Diverse Facebook-Accounts, die sich als Fans von Die Anstalt gerieren, weisen kein Impressum auf. Dafür tauchen dort neuerlich die Denkfunk-Admins und –Denklenker auf. Es ist nicht abwegig zu vermuten, dass all diese Accounts ebenfalls von der Tom-Aslan-Truppe gemanagt werden.
Tom oder Umman Aslan ist der „Kopf“ hinter GCN, der zum Beispiel mit der Löschung eines Impressums bei Denkfunk versucht, diese Verbindung zu verdunkeln (vgl. HInfo5). Wie „seriös“ beim Verein GCN agiert wurde, das dokumentiert unter anderem ein aussagekräftiges Video-Interview aus dem Jahr 2010 (in HInfo5). Aslans (frühere?) Lebensgefährtin ist die alleinige Gesellschafterin und Geschäftsführerin der hinter Denkfunk stehen PatchworX Media GmbH, der Insichgeschäfte erlaubt sind (vgl. dazu HInfo1 und HInfo2).


„Ken-Jebsen-Gedächtniskabarett“
Der HuffPo-Vorwurf an die Die Anstalt behauptet inhaltlich: „Verschwörungstheorie“ Aber auch in den personellen Verbindungen des teilweise gezielt undurchschaubar gehaltenen Netzwerks rund um Denkfunk sowie durch die Rezeption des Outputs der Autoren durch Rechte lässt sich eine (geistige) Nähe zu politischen Kräften nachweisen, die beunruhigen.

Einzelne Denkfunk-Autoren wie zum Beispiel „Mr. Dax“ Dirk Müller feiern mit ihren „nach Verschwörungstheorien klingenden“ Statements (Formulierung des Denkfunk-Autors Jörg Wellbrock alias Tom Wolf in Spiegelfechter) Erfolge bei den Rechten.

Ausschnitt aus Bildzitat Screenshot Facebook Pegida Baden-Württemberg

Ausschnitt aus Bildzitat Screenshot Facebook Pegida Baden-Württemberg: Der Denkfunker Dirk Müller kommt bei Pegida gut an!

Eine weitere Denkfunk-Kollegin von Max Uthoff und Claus von Wagner ist Inge Hannemann. Sie gewährte Ken Jebsen auch ein Interview und wird ebenfalls für ihre Nähe zu Verschwörungstheoretikern kritisiert. Ihre intermittierenden Distanzierungserklärungen nimmt man ihr in der Szene inzwischen nicht mehr ab.

Auch der maßgebliche Mann dahinter, Tom Aslan selbst, hat ein Interview mit einem ausgewiesenen Verschwörungstheoretikern geführt: Andreas Popp [1] von der Wissensmanufaktur [2]. Nachdem dieser zunehmend in die Kritik geraten war, wurde das Video im Aslan-Sortiment gelöscht, ist aber im Internet immer noch verfügbar. YouTube listet auf Aslans Kanal TomBoSphere in der Rubrik „Ähnliche Kanäle“ (zu dem vom Tom Aslan) sowohl den Russland-Propagandasender RT Deutsch als auch KenFM!

Bildzitat Screenshot YouTube-Kanal von Tom Aslan

Bildzitat Screenshot YouTube-Kanal TomBoSphere von Tom Aslan

 

Max Uthoff wirbt für Abos eines Aktienhändlers
Verschwörungstheorien gehören zum Handwerk des Börsenpromis Dirk Müller – behauptet im Sommer 2015 Die Welt. Müller betreibt auch das Internetportal Cashkurs. Dort gibt der Die-Anstalt-Kabarettist Max Uthoff ein Interview, in dem die auffallend unprofessionelle und unverhüllt interessengeleitete Cashkurs-Interviewerin mit ihm unter anderem die möglichen Themen der ZDF-Kabarettsendung diskutiert und ihm „Anregungen“ gibt.

Max Uthoff, einer der Macher der prominentesten Kabarett-Sendung des öffentlichrechtlichen Fernsehens, ist sich aber auch nicht zu schade dafür, für seinen Denkfunk-Kollegen Dirk Müller Abonnenten zu werben. Ein früheres Videointerview kann nur ansehen, wer zuvor bei Cashkurs abonniert:

Bildzitat Screenshot Cashkurs: Video mit Max Uthoff ist nur zugänglich für Abonnenten der Seite

Bildzitat Screenshot Cashkurs: Video mit Max Uthoff ist nur zugänglich für Abonnenten der Seite

Meine Meinung: unseriös!
Aber nicht nur dort geben sich die Anstalt-Kabarettisten für die finanziellen Interessen Dritter her. Auch für die PatchworX Media GmbH treten Max Uthoff und Claus von Wagner für das dortige Abo werbend auf:

Ausschnitt aus Bildzitat Screenshot Denkfunk

Ausschnitt aus Bildzitat Screenshot Denkfunk


„Fundamentalistisches Kabarett“

Die gesamte Denkfunk-Truppe im Allgemeinen und Die Anstalt im Besonderen nehmend zunehmend einen politischen Kurs ein, der von einem früheren Denkfunk-Autor als „fundamentalistisches Kabarett“ bezeichnet wird. Mit ihrem platten und undifferenzierten Antiamerikanismus, mit einer verkürzten Kapitalismuskritik und mit einer inzwischen brandgefährlichen weil ebenfalls pauschalisierten Medienkritik arbeitet Die Anstalt – bewusst oder unbewusst – den Rechten zu. Kein Wunder also, wenn vermehrt Beifall aus dieser Ecke zu vernehmen ist.

Diese anbiedernde inhaltliche Verflachung fällt inzwischen auch den Usern auf dem Denkfunk-Facebook-Account auf, die immer häufiger den Populismus der Kabarettisten kritisieren (vgl. dazu TS133/15). Wer nur noch die ganz einfachen Antworten anbietet (an allem sind die Amerikaner schuld), wer eine extrem komplexe Welt mit ihren multikausalen Konflikten in massengeschmacktaugliche Schwarz-Weiß-Erklärungen zerlegt, wer die Zuschauer über die „Turbulenzen“ täuscht, welche das „Flüchtlingsboot“ in Deutschland hinsichtlich der Stabilität von Demokratie und Gesellschaft auslöst, ist Aktivist, nicht Kabarettist und darf sich nicht wundern, wenn er dem Verschwörungstheoretikern zugeschlagen wird.


Antworten wird es wohl nicht geben
Sebastian Christ bleibt in seinem offenen Brief an Uthoff und von Wagner stringent beim Thema. Der so herrlich bequemen Vereinfachung, den Syrien-Krieg komplett den Amerikanern anzulasten, hält er Argument entgegen:

Als ob es die syrische Opposition nie gegeben hätte. Dar’a, Aleppo. Die ARD zeigte erst kürzlich eine bewegende Dokumentation über einige junge Männer aus Homs, die nacheinander im Kampf gegen das syrische Regime sterben.
Und auch der großartige Aboud Saeed berichtete in seinem Buch „Der klügste Mensch im Facebook“ schon früh über seinen täglichen Kampf mit dem Regime und dem Krieg. Sind diese Menschen Ihrer Ansicht nach alle gekauft oder von der CIA manipuliert worden?

Was ist mit den Fassbomben? Den Folteropfern? Den Hinrichtungen? Wissen Sie eigentlich, wie das Regime Assad in den vergangenen Jahren in Syrien gewütet hat?
(Huffington Post Sebastian Christ 28.10.15: „An die Satiriker der „Anstalt“: Eure Verschwörungstheorien kotzen mich an)

Da wäre dann die Antwort der Kabarettisten auf Christs Vorwürfe und Fragen interessant. Aber die wird es wohl wieder nicht geben? Denn die Verfechter von Rede-, Meinungs- und Pressefreiheit aus den Reihen der Denkfunker beantworten – wie SaSe-Lesern bekannt – kritische Fragen nicht (siehe Listung am Ende von HInfo5).

Auf dem ebenfalls vom großen „Unbekannten“ betriebenen Facebook-Account Die Anstalt ist der gestrige Artikel von Sebastian Christ – natürlich! – nicht erwähnt oder gar verlinkt.  Auch auf dem FB-Account von Claus von Wagner ist bisher keine Reaktion zu finden.
Das macht aber nichts. Denn von der eigentlichen Zielgruppe linken Kabaretts wird der Artikel lebhaft diskutiert. Ich empfehle auf Friedensdemowatch besonders das längere Posting von Marco Haferkamp (29.10.15), das ausführlich argumentiert und die Thesen von Die Anstalt zu Syrien auch mit Zahlen und Daten widerlegt.


Sine und mit Nobilitate
By the way: Im Vergleich mit Max Uthoff hält sich Claus von Wagner mit Werbeaktionen für Dritte oder auch mit selbstwerbenden Verlautbarungen auf Denkfunk stark zurück. Weder gibt er Interviews für Mr. Dax und dessen Verkaufsinteressen noch bewirbt er seine CDs bei Lenkfunk.

[1] https://www.psiram.com/ge/index.php/Andreas_Popp
[2] https://www.psiram.com/ge/index.php/Wissensmanufaktur

Einen fortlaufend aktualisierten Überblick über alle Denkfunk-kritischen Artikel auf diesem Blog finden Sie in HInfo6.

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