SatBur22: Ochsenhausen: Labor Merk selbst widerlegt die Angstmache vom Unternehmenswegzug

SATIRE


Das Gewerbegebiet „Untere Wiesen III“ mit der geplanten Firmenerweiterung Labor Dr. Merk ist das derzeit heiß diskutierteste politische Thema in Ochsenhausen. Es streiten die Parteien als da sind: Bürgermeister Andreas Denzel, Freie Wähler, Gewerbeverein und IHK Ulm bzw. dessen Vizepräsident Johannes Remmele (hier) auf der einen, Anwohner, Klimaaktivisten, Naturschützer, Hirnträger und die Gemeinderatsfraktion Pro Ox auf der anderen Seite. Inwieweit ökonomische Eigeninteressen wie im Fall Remmele auch die Antriebsenergie hinter dem Pro-Votum der anderen Akteure und Angstmacher ist, lässt sich weder investigativ noch satirisch final eindosen.

Insbesondere die eine [Seite] bringt vor allem Argumente des vergangenen Jahrhunderts in Stellung. An erster Stelle die berühmte und in Trillionen trauriger Fälle schon widerlegte Arbeitsplatzbeschaffungskeule. Ansonsten das gleichfalls x-fach widerlegte Versprechen der Pharmaindustrie auf ein finales Krebsmedikament. [*gähn*] Bündiger lässt sich die verstörende Distanz der Pharma-Industrie von den aktuellen Nöten der Menschen nicht etikettieren, denn Krebs ist gerade nicht so die dringendste Sorge der Menschheit … 

Dagegen bestechen die Argumente der Projekt-Gegner durch Aktualität, Solidarität, Verantwortungsbewusstsein und den Bezug auf das Bürgerwohl und die Belange von Klima und Natur.
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Ausschnitt aus Bildzitat Screenshot RegioTV / Schwäbische Zeitung 15.07.2020: „Labor-Erweiterung: Hans Holland appelliert, Armin Vieweger kritisiert“: Im Gegensatz zu der eher mit Angstmache und Stereotypen arbeitenden Pseudo-Diskussion am Internet-Stammtisch à la „Ochsenhausen spotted“ argumentieren die Projektgegner der Gemeinderatsfraktion Pro Ox sach- und fachgerecht mit Zahlen und Belegen. Der Pro-Ox-Gemeinderat Armin Vieweger etwa vergleicht in diesem Interview die ursprünglichen Bebauungsauflagen für „Untere Wiesen III“ mit den speziell auf die Bedürfnisse des Biotech-Unternehmens Labor Merk abgeschmolzenen Schmeiß-auf-die-Natur-Vorgaben. Übrigens hat der Landesnaturschutzverband LNV Baden-Württemberg zu dem „projektbezogenen Angebots-Bebauungsplan“ ebenfalls eine dezidierte und mit zahlreichen Argumenten gespickte Stellungnahme abgegeben, die in der bisherigen hitzigen Diskussion vor lauter Remmele-Schelte und anderen Marketing-Tricks noch gar nicht wahrgenommen werden.

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Es ist also der uralte Konflikt zwischen Kapitalismus und gesundem Menschenverstand. Im derzeit laufenden globalen Intelligenztest unter dem Namen „Corona-Krise“ erkennen weite Teile der Weltbevölkerung gerade, dass das Heil offensichtlich doch nicht im Kapitalismus liegt. Überraschung!

Wenn im politischen Streit allgemein und im Ochsenhauser Gemeinderat speziell gar nichts mehr fruchtet, drohen die Befürworter des als reine Profitmaximierungsmaschine erkennbaren Projektes natürlich damit, „dass das Labor Merk Ochsenhausen komplett verlässt“ (Quelle).
Heul doch!

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Labor Merk beruhigt: Standortwechsel gar nicht wirtschaftlich

Möglicherweise unfreiwillig sorgt die Labor-Merk-Geschäftsführerin Ingrid Rapp selbst dafür, dass den Ochsenhauser Wachstumsapologeten die Sorge genommen wird, das Biotechnologie-Unternehmen könne komplett abwandern. Wenn es seinen Willen nicht kriegt. In einem von Regio TV produzierten Video mit Interview (hier) erklärt sie: „Der Aufwand, die Produktionsanlagen neu zertifizieren zu lassen, wäre viel zu groß“. Das Unternehmen müsste (bei Standortwechsel) einen Verlust von zwei bis drei Jahren einrechnen. Hinzu käme der Synergieverlust, den das Labor Merk am jetzigen Standort habe.
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Bildzitat Screenshot wie oben: Niemand in Ochsenhausen muss sich bei der Diskussion um die Standorterweiterung von Labor Merk mit dem Arbeitsplatz-Argument ins Bockshorn jagen lassen. Hier argumentiert die Geschäftsführerin Ingrid Rapp persönlich und sehr überzeugend, warum das Biotech-Unternehmen schon aus wirtschaftlichen Gründen einen Standortwechsel gar nicht in Betracht ziehen kann.

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Das dürfte den politischen Streit erheblich entspannen. Denn was bitte könnte überzeugender die Sorge um den Verlust dieses Pharma-Unternehmens atomisieren als das Testat der Labor-Merk-Geschäftsführerin selbst!
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Stattdessen setzt sich der LNV für Arbeitsplätze in Ochsenhausen ein
Niemandem möchte man in Zeiten des Klimawandels und einer von Menschen gemachten Corona-Katastrophe aufmerksamer zuhören als den Naturschützern. Der Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg e. V. (LNV) ist der vom Land Baden-Württemberg  anerkannte Dachverband der Naturschutzvereine (§ 51 NatSchG).  Mit seinen 32 Mitgliedsverbänden vertritt er über 540.000 Naturschützerinnen und Naturschützer.  Der LNV wurde im Jahr 1971 aus der Erkenntnis heraus gegründet, dass die Naturschutzvereine  mehr Gehör finden, wenn sie ihre Kräfte bündeln und mit einer Stimme sprechen.

Der LNV  spricht sich in seiner Stellungnahme gegenüber der Stadt Ochsenhausen als Träger öffentlicher Belange  für die Erweiterung des Labor Dr. Merk aus und zwar im dafür vorgesehenen Gewerbegebiet Längenmoos und gegen den Standort in den „Untere Wiesen III“.  Auch der LNV setzt sich somit für zukunftsfähige und nachhaltige Arbeitsplätze  in Ochsenhausen ein. Die an strenger Sachlichkeit orientierten Argumente des LNV finden Sie in dieser Stellungnahme an die Stadt Ochsenhausen!

[Aktualisierung vom 17.07.2020: Die LNV-Stellungnahme enthielt einige Grafiken, Fotos und Bilder, zu denen sich die Urheberrechte nicht eindeutig abklären ließen. Deshalb wurden diese Grafiken, Foto, Bilder etc. von der SaSe-Redaktion entsprechend in dem pfd-Dokument unkenntlich gemacht.]

Und wer die wirklich relevanten Botschaften zur Diskussion in Ochsenhausen lieber hören und sehen statt lesen möchte, den verwöhnt SaSe mit diesem Videolink:
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