TS121/15: Antisemit? + Amtlich + Apokalpyse + Aufruf

+++ Tagesspiegel fragt, ob Dieter Hallervorden Antisemit sei
Das skandalöse Liedchen des Komikers Dieter Hallervorden zieht weitere Kreise. SaSe hatte schon verschiedentlich berichtet (TS117/15 und SaSe45). Jetzt fragt der Tagesspiegel, ob Dieter Hallervorden ein Antisemit und Rassist sei – oder einfach bloß naiv oder besonders raffiniert. Die Journalistin Faitina Kailani argumentiert streng am Text des „subversiven“ Videoclips mit den eingängigen Bildern des freundlichen alten Mannes entlang. Sie stellt die Frage, was sich Dieter Hallervorden bitte dabei gedacht habe. Der wird in einer Stellungnahme gegenüber dem Tagesspiegel zitiert, wobei dann auch noch herauskommt, dass sich Mitwirkende an diesem Text unter einem Pseudonym verstecken.
In den Leserkommentaren unter dem Artikel wird auch ein Beitrag der Jüdischen Allgemeinen dazu verlinkt.


+++ Erzählmirnix: „Amtlich und böse. Hauptsächlich aber amtlich“
Die jüngsten Hoax der Neurechten zur Stimmungmache gegen Asylbewerber in Form von gefälschten amtlichen Schreiben zur Beschlagnahmung von Wohnraum nimmt wohltuend und tiefgründig der Blog Erzählmirnix auf.


+++ Volker Pispers: Theaterkritik in der Frankfurter Rundschau
Die Frankfurter Rundschau liefert eine sehr differenzierte, abwägende und hilfreiche Theaterkritik eines Auftritts von Volker Pispers vor 3.000 (!) Zuschauern in der Frankfurter Jahrhunderthalle. Die setzt sich sowohl mit der gängigen Kritik an Pispers wie mit dem Klischee-Thema auseinander (vgl. dazu SaSe49):

Natürlich vermittelt der 57-Jährige seine Einsichten und Aussichten auch holzschnittartig, was ihm seine Gegner immer wieder vorwerfen. Doch bleibt ihm gar nicht die Zeit, das Gespinst der Strukturen von Politik und Wirtschaft in all seinen Verästelungen darzustellen. Denn dann müsste er semesterlange Seminare halten, anstatt als Wanderprediger übers Land zu ziehen.
Ihm deswegen „plumpe und simple Klischees“ vorzuwerfen, ist daher zu einfach. Auch wenn er es sich manchmal einfach macht, etwa wenn er alle Medien und insbesondere die Zeitungen dafür geißelt, nur den Machtinteressen der Reichen zu dienen, weil sie eben von wenigen vermögenden Familien kontrolliert würden. Oder wenn er allein Rot-Grün für die sozialen Schweinereien Anfang des Jahrtausends – von Hartz IV bis zur Zerschlagung der umlagefinanzierten Rentenversicherung – verantwortlich macht, als hätten Union und FDP daran nicht auch ihren Anteil gehabt
(Frankfurter Rundschau 26.09.15: Volker Pispsers – Kabarett im Zeichen der Apokalypse)


+++ Offtopic: NDS & Ken-Jebsen einig: Kauft nicht bei Juden! „Kauft die TAZ nicht mehr!“

Falls Sie es noch nicht wussten: „die taz [ist] nicht links“ (Jens Berger, NachDenkSeiten, Anmerkungen zu Punkt11). Falls Sie nicht die richtigen Konsequenzen aus dieser aktuellen politischen Standortbestimmung der großen Tageszeitung zu ziehen wissen, hatte es Ihnen der Gesinnungsgenosse der NDS, Ken Jebsen, eigentlich schon im Mai 2014 klar in Ihre Literaturliste geschrieben: „Dass die TAZ keine echten Linken wie mich leiden kann, liegt auf der Hand. Vergesst diese Verräter an der aktuellen Friedensbewegung, den Mahnwachen. Trefft diese Blättchen, wo es weh tut. Kauft die TAZ nicht mehr“ (Quelle, Hervorhebg. SaSe). Jede Ähnlichkeit mit dem Begriff „Vaterlandsverrätern“ oder „Kauft nicht bei Juden!“ ist natürlich keine! Ausführlicher auch hier.

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