Tag Archiv:Akif Pirincci

TS139/15: Verfehlte Diskussion + Sinnfreies Saugen + Dritte Wahl + Viel van der Horst + Blanker Neid

+++ „Friedensdemo-Watch“: Diskussion über Antisemitismus im Kabarett
Etwas eigenartig und zeitversetzt: Auf dem Facebook-Account Friedensdemo-Watch wird anlässlich eines FB-Postings mit der Aussage „Wir leben in einer seltsamen Zeit in der uns Satiriker die Welt erklären!“ der SHZ-Artikel von Jan-Philipp Hein vom 7. Juni 2015 (!) Fernsehkabarett – Da wo der Antisemitismus blüht diskutiert. Hein reitet darin eine scharfe Attacke gegen den Kabarettisten Uwe Steimle und dessen Äußerungen bei einem Auftritt in den Mitternachtsspitzen. Die dechiffriert Hein als antisemitisch. Einmal in Rage zitiert er weitere Outlets von Volker Pispers und Georg Schramm ebenfalls als antisemitisch. Dabei unterläuft ihm auch noch ein sachlicher Fehler, weil er behauptet, Schramm wäre in Die Anstalt aufgetreten. Das stimmt nicht. Schramm trat nur in Neues aus der Anstalt auf.
Die aktuelle Diskussion auf Friedensdemo-Watch ringt mit dem Begriff des „strukturellen Antisemitismus“, kommt aber hinsichtlich des Fernsehkabaretts zu keinem verwertbaren Ergebnis. Weiterlesen

SaSe58: Applikation Paul Westheim „Heil Kadlatz“: Das Lachen der Grabpinkler

[Eine satirische Applikation mit der Aktualität angemessenem Zynismus]

Sie stehen – schon wieder! – in geschlossenen Reihen. Um die Gräber herum. Ihr Lachen ist dreckig weil siegreich. Mit gichtigen Griffeln, von der Geilheit nach Stimmungsmacht und Volksverhetzung gekrümmt, fummeln sie ihre schrumpeligen Gedönse aus den deutschlandfahnefarbenen Unterhosen und pissen auf die Gräber. Der Historiker. Der Intellektuellen. Der Satiriker. Der Demokraten – und anderer Wüste-Rufer. Über deren literarisches Gestrampele seit 70 Jahren lachen sie sich krumm und scheckig. Einander an Schultern und den weich gewichsten Rückgraten stützend, richten sie den trübbraunen Strahl auf den immer noch nicht mit genug Blut getränkten Boden. Den deutschen! Und sie ersäufen den Gedanken der Aufklärung gleich mit. Kant in Urinstein.

Es gibt wieder viel zu schänden. Heute strullert der versammelte Zug auf das Grab des Kunsthistorikers und Publizisten Paul Westheim (1886-1963). Wegen Heil Kadlatz!.

SaSe58: Applikation Paul Westheim "Heil Kadlatz"


Straf- und schamfrei das Wasser abschlagen
„Nimm das“, höhnt Björn Höcke dem im Pariser Exil Protokollierenden entgegen und zitiert damit – natürlich unwissentlich – die Jüdin bei der Selektion an der Rampe in Auschwitz nach Martin Amis Interessengebiet, die dem Lagerkommandanten Doll eine Handvoll Läuse ins Mördergesicht schmiert (S. 251). Höckes „das“ ist dagegen harmlos. Oder ist es das nicht? Es sind die „1.000 Jahre Deutschland“, die der AfD-Fraktionsvorsitzende im Thüringer Landtag am dunklen Sonntagabend im öffentlich-rechtlichen Fernsehen auskotzen darf – 79 Jahre nach Westheims erstmalig als Fortsetzungsroman in der Pariser Tageszeitung erschienenen Charakterskizze des faschistoiden Mitläufers und Vollstreckers in Person des Hausmeister Kadlatz und der „Grünkram“-Händlerin Trude Pelchau. Ohne Peitschenhiebe oder Genickschuss befürchten zu müssen. Also: die Höckes, Gaulands, Popps, Fitzeks & Co. Schon weil der Anteil der Zuschauer, welche Höckes Anspielung historisch korrekt einzuordnen wissen, zu unser aller Trost besser unbeziffert bleibt. Weiterlesen

TS135/15: Freischreiber + Kondom-Grenze + #UllrichSierau + Selbstherrlich + Pingpong + Skorpion

+++ Satirische Aktion von „Freischreiber“
In der vergangenen Woche hatte der Tagesspiegel angekündigt, alle freien Autoren ab sofort freizustellen. Man wolle mit dieser Aktionen „einen kleinen sechsstelligen Betrag“ einsparen, um den Einbruch bei den Einnahmen aus Anzeigen zu kompensieren. Journalistenverbände hatten protestiert. Satirisch dagegen reagierte der Berufsverband der freien Journalisten, Freischreiber: Per Twitter gab der Interessenverband bekannt, im Tagesspiegel Kleinanzeigen geschaltet zu haben: „Löse Journalistenbüro auf. Biete ungedruckte Manuskripte aus allen Bereichen des Berliner Lebens Kultur, Theater, Rezensionen […]“ (Quelle). Wie Silke Burmester in ihrer taz-Kolumne dazu erklärte, wolle man dieser Aktion seinen „Keks zu deren [i. e. Tagesspiegel] Weihnachtsfeier beisteuern“ und zeigen, dass freie Journalisten Menschen seien.
Der Tagesspiegel hat inzwischen auf diese Aktion reagiert (Meedia). Weiterlesen

TS132/15: In den Müll 1 + In den Müll 2 + In den Müll 3 + Ins Ernste + In Zukunft + In Würdigung

+++ Offtopic: Verlagsgruppe Random-House sperrt Krimis von Akif Pirinçci
Sehr gut: (Nicht nur) Meedia meldet, dass die Verlagsgruppe Random-House die alten Katzenkrimis des Autors Akif Pirinçci gesperrt habe, nachdem der am Montag auf einer Pegida-Demo in Dresden eine irritierende Äußerung zu Konzentrationslagern gemacht hatte. Wegen dieser Äußerung wurde Strafanzeige wegen des Verdachts der Volksverhetzung gegen den türkischstämmigen Autor erstattet. Und Random House stoppt die Auslieferung der älteren belletristischen Bücher Pirinçcis inklusive klarer Distanzierungserklärung (Felidae-Reihe; Pressemitteilung). Auch der Ex-D(d)enkfunkerSchroeder kommentiert hier und hier.
Ob dieser Auslieferungsstopp allerdings juristisch haltbar ist?

Persönliches Bekenntnis: Auch in meiner Bibliothek befand sich noch ein aus den 90er Jahren stammendes Exemplar eines Katzenkrimis von Akif Pirinçci, das ich seinerzeit geschenkt bekommen hatte. Gestern habe ich das Buch mit der Kohlenzange aus dem Regal gezogen und ins Altpapier entsorgt.

Nachtrag vom 12.11.15: Das hier etwas sehr spontan und nicht ganz durchdacht vergebene „sehr gut“ war offensichtlich voreilig. Der Vorgang (Sperrung der Bücher dieses Autors) hat inzwischen eine bedenkliche Dynamik entwickelt, die von Jan Fleischhauer am 10. November 2015 im Spiegel sehr zutreffend kommentiert wurde. Vgl. dazu auch TS139/15


+++ Ausnahmsweise „WELT“-Satire: Pirinçci-Hirn gefunden!

Aufgrund der degoutanten Herkunft (Springer) und der damit verbundenen politischen Stoßrichtung ignoriert SaSe den Output der Satire-Redaktion „Glasauge“ von Die Welt weitgehend. Die aktuelle Grätsche von Karl Sack-Reis jedoch schließt an obige Meldung an und hat eine Erwähnung verdient: Spaziergänger findet Hirn von Akif Pirinçci. Weiterlesen

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