TS142/20: #LaWahl: So schreibt die SchwäZ den Kandidaten Achim Krafft hoch!

Yes. Genau so hatte ich mir das in Ungefähr vorgestellt. Jetzt dürfen wir die nächsten Wochen gemütlich zurückgelehnt beobachten, wie die SchwäZ ihren „Favoriten“ für die Bürgermeisterwahl in Langenargen hoch- und damit natürlich automatisch „andere“ aussichtsreiche Bewerber runterschreibt.

SchwäZ-Redakteurin Tanja Poimer fängt damit schon am 13. Oktober 2020 in ihrem Beitrag „Bürgermeisterwahl in Langenargen: Das sind die vier Kandidaten“ an.

Bevor wir uns auf die klare sprachliche Wahlempfehlung der SchwäZ stürzen, ein Blick auf die schiere Optik des Online-Artikels:
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Bildzitat Screenshot Schwäbische Zeitung 13.10.2020: Schon allein grafisch kommt der Bürgermeister-Kandidat Ole Münder in dem Artikel nicht vor – zumindest nicht in der Hervorhebung. Sowohl Amtsinhaber Achim Krafft wie Kandidat Walkucz kriegen eine Hervorhebung mit Fettdruck; bei Ole Münder jedoch wird lediglich die Stadt Würzburg hervorgehoben und als Link markiert. Tricky! Aber wie mein Maileingang beweist: Die SchwäZ-Leser bemerken solche Manipulationen.

Fällt auf: Nur die beiden Kandidaten Achim Krafft und Mark Walkucz werden grafisch und durch Fettdruck (weil mit Links) hervorgehoben. Beim Kandidaten Ole Münder jedoch erfolgt der fettgedruckte Hinweis auf die Stadt Würzburg. Die hat natürlich mit dem Bürgermeisterwahlkampf in Langenargen so gut wie gar nichts zu tun, auch wenn sie der bisherige und vor allem auch langjährige Arbeitgeber des Diplom-Verwaltungswirts ist.

Doch auch Poimer weiß: Das Auge liest mit …  Mit einem Link auf Ole Münders Wahlkampf-Homepage hätte man diesen schönen optischen Effekt natürlich ruiniert …
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Die SchwäZ ruft Krafft zum „Favoriten“ aus
Tageszeitungen sind nicht per se zur politischen Neutralität verpflichtet. Man wünschte sich nur, die Lesermanipulation zugunsten des Amtsinhabers Krafft käme nicht ganz so plump daher?

Noch dreieinhalb Wochen bis zur Bürgermeisterwahl am Sonntag, 8. November, in Langenargen. Dann sind 6427 Wahlberechtigte aufgerufen, sich zwischen vier Bewerbern zu entscheiden. Wenn es dabei um Hintergrundwissen und den Bezug zur Gemeinde geht, ist Amtsinhaber Achim Krafft der klare Favorit.
(Schwäbische Zeitung 13.10.2020: „Bürgermeisterwahl in Langenargen: Das sind die vier Kandidaten“; Hervorhebg. K. B.)

Dieses Schlaglicht in die kleinteilige Geisteswelt der Verfasserin hätte man sich auch lieber erspart? Als ob „Hintergrundwissen“ und „Bezug zur Gemeinde“ einen guten Bürgermeister ausmachen würden. Was soll denn das für „Hintergrundwissen“ sein? Die Hintergründe des regionalen Filzes etwa? Oder die staatsnagenden Abgründe hinter Lokalprominenz wie dem Vorsitzenden des Handels- und Gewerbevereins Karl-Heinz Scheriau, der auf seinem privaten (und inzwischen und nach der Berichterstattung von Agora-La und SaSe nicht mehr öffentlich zugänglichen) Facebook-Account die Sache der Corona-Leugner, Querdenker und Verschwörungstheoretiker betreibt? Und auch mal gern Journalistinnen bedroht?
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Sollte nicht Fachwissen statt „Hintergrundwissen“ punkten?
Die SchwäZ ruft also (ihren) „Favoriten“ aus: Amtsinhaber Achim Krafft. Als der 2012 mit auch nicht gerade überwältigendem Ergebnis (58,3 Prozent) in sein Amt gewählt wurde, hatte er null „Bezug zur Gemeinde“, kam er doch aus Rainau (Ostalbkreis) nach Langenargen dahergeschwommen (hier). (Brennsuppen-Assoziationen sind an dieser Stelle durchaus erwünscht.)

Und statt des für die SchwäZ offensichtlich und ohne weitere Belege einen „Favoriten“ konstituierenden „Hintergrundwissens“ würden sich manche Langenargener vielleicht doch eher einen BüM mit FACHWISSEN wünschen? Also Fachwissen zum Beispiel zur Gemeindeordnung Baden-Württemberg und deren Regelungen; Fachwissen zum Gebot der Öffentlichkeit von Gemeinderatssitzungen daselbst; Fachwissen zur Berechnung von Unterhaltskosten für Luxustoiletten. Oder auch gern das Fachwissen dazu, wie man eine Kurtaxe-Satzung so aufstellt, dass sie nicht vom Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg wieder einkassiert wird (hier)? Denn schließlich kosten solche verlorenen Gerichtsverfahren den Steuerzahler einen Haufen Geld.
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Symbolbild Bürgermeister-Kandidat und Amtsinhaber Achim Krafft: Bürgermeister-Profis mit FACHWISSEN statt Brennsuppen-Empirie stellen der Presse im Wahlkampf selbstverständlich (und ungefragt) entsprechende Pressemitteilungen zu ihrer Kandidatur zuzüglich beigefügter Bilder zur Verfügung. Über den Kandidaten Achim Krafft erfährt der Interessierte nichts, was ihm die SchwäZ nicht erfahren lässt. Krafft hat sich noch nicht einmal die Mühe gemacht, eine Wahlkampf-Homepage zu erstellen. Pressemitteilungen zu seiner Kandidatur haben weder die Redaktion des Langenargener Blogs Agora-La noch ich von ihm bekommen. Deshalb bleibt mir gar keine andere Möglichkeit als ein möglichst aussagekräftiges Symbolbild zu wählen. Ich finde, das ist mir gelungen?
Bild von Ryan McGuire auf Pixabay

 

Die Nicht-Bürgermeister-Macherin hätte von diesem Slogan abgeraten
Der Rest des Poimer-Artikels bleibt unbeanstandet. Darin werden die wenigen Wissensbrocken zusammengetragen, die bisher insbesondere über die zwei Kandidaten Mark Walkucz und Michael Maragudakis mit großer Mühe zu finden sind. Allerdings gibt sich die SchwäZ dabei nicht halb so viel Mühe wie die Kollegin Elke Krieg, die zum Kandidaten Walkucz Bedenkliches im Netz findet.

Walkucz und Maragudakis sind bisher von sich aus mit ihrer Kandidatur in Langenargen noch nicht an die Öffentlichkeit getreten. Sie scheinen viel Zeit zu haben? Oder auch das Gegenteil?

Erschwerend kommt für den Nicht-Favoriten Ole Münder hinzu, dass er sich für seinen Wahlkampf einen maximal bescheuerten und in Corona-Zeiten mehr als unglücklichen Slogan ausgedacht hat, den Poimer dann auch genüsslich in diesem Zitat unterbringt:

Ole Münder folgte Ende September, er wird auf dem Wahlzettel als zweiter Kandidat genannt sein. Der 49-Jährige arbeitet als Fachbereichsleiter Schule bei der Stadt Würzburg, tritt als parteiloser Bewerber an und sagt: „Die Langenargener wünschen sich einen Bürgermeister zum Anfassen. Einen, der Kommunikation der Konfrontation vorzieht, der ausgleichend wirkt, wenn es kritisch wird.“ Zu dem Ergebnis sei er in Gesprächen mit vielen Bürgern gekommen. Sie hätten ihn bekräftigt, sich in der Gemeinde zu bewerben, die er bei vielen Besuchen kennen- und lieben gelernt habe.
(ibid.; Hervorhebg. K. B.)

Nein. Ganz bestimmt nicht. Das will ich mal nicht glauben und nicht hoffen, dass sich die Langenargener wirklich einen „Bürgermeister zum Anfassen“ wünschen. Ist das nicht eher das Wunschprofil für Mitglieder in Swinger-Clubs?

Natürlich meint Münder etwas anderes. Er führt es in dem Satz nach der fatalen Grabscher-Metapher ja auch selbst aus: Kommunikation statt Konfrontation ist in Langenargen gefragt.

Aber Kommunikation kann Krafft nicht. Das beweist er aktuell und ungefragt wieder auf dem Facebook-Account „Langenargen – die Gruppe“. Wer ihm dort argumentativ zu nahe kommt, wird in Herrscher-Attitüde auf den üblichen „Beschwerdeweg“ über das Rathaus verwiesen.
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Ausschnitt aus Bildzitat Screenshot Facebook „Langenargen – die Gruppe„. Bei Argumentationsnot bricht Krafft nicht nur hier die Kommunikation ab und verweist auf andere Gesprächskanäle.

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Aber man muss die beiden SchwäZ-Schreiber Poimer und Andy Heinrich auch ein bisschen verstehen. Poimer kann gemütlich in der Redaktion hocken bleiben, wenn der Gemeindewahlausschuss tagt, weil sie offensichtlich privilegierte Presseinfos aus dem Rathaus bekommt und nicht – wie andere – zur physischen Präsenz an solchen ja auch immer zeitraubenden Veranstaltungen gezwungen ist.

Noch brenzliger sieht es für den freien SchwäZ-Mitarbeiter Andy Heinrich aus, der nebenher auch noch Auftragnehmer der Gemeinde Langenargen ist oder zumindest war (hier) und schon allein deshalb keine „unabhängige“ Berichterstattung leisten kann. Wenn jetzt ein Vollprofi wie Münder Bürgermeister wird, der diesen Interessenskonflikt womöglich adäquat zu bewerten weiß, ist Heinrich eine Einnahmequelle los.
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Bildzitat Screenshot vom 02.01.2019 der Homepage des Fotografen Andy Heinrich: Der SchwäZ-Schreiber bezeichnet das Verhältnis zwischen der Gemeinde Langenargen und ihm, dem Fotografen Andy Heinrich, als „zuverlässige Partnerschaft“. Nachdem SaSe diesen Screen veröffentlicht hatte, hat Heinrich diesen Eintrag auf seiner Homepage gelöscht.

Und möglicherweise goutiert ein Ole Münder auch solche Stiefelleckerei nicht?

Es bleibt spannend, wie die beiden SchwäZ-Langenargen-Berichterstatter diesen ihren ganz persönlichen Interessenskonflikt im Bürgermeister-Wahlkampf Langenargen künftig lösen werden … Ich lasse da meinen Senftopf mal offen …

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Foto: SCHROEDER

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