SaSe70: AfD-Postille bedient sich an Kollegenschelte von Andreas Rebers und Dieter Nuhr

[Dies ist eine neue überarbeitete Version des am Tag zuvor veröffentlichten Artikels, der in einer zentralen argumentativen Verknüpfung  fehlerhaft und mithin totaler Quatsch war und auf einem Interpreationsfehler meinerseits beruhte. Danke an den SaSe-Leser, der es gemerkt hat!]

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Offensichtlich steckt der derzeitige globale Kriegserklärungswahn auch die Satiriker an. Die beiden (ARD-)Kabarettisten Andreas Rebers und Dieter Nuhr hatten in einem Artikel in Die Welt eine neue Front – innerhalb der Kabarettszene eröffnet. Dabei geht das Altherren-Duo mit aller Schärfe gegen die ZDF-Kabarettisten der heute-show und von Die Anstalt vor.

Abgesehen vom Personal der heute-show gehören die ZDF-Kabarettisten durchgehend zu dem intransparenten (angeblichen) Gegenöffentlichkeitsprojekt D(d)enkfunk, der auf diesem Blog nachhaltig kritisiert wird (vgl. HInfo6). SaSe berichtete über den Die-Welt-Artikel in TS 153/15.

Jetzt wird diese Kritik noch einmal leidenschaftlich und mit haarsträubenden Kommentierungen und Erweiterungen von der Internetzeitung FreieWelt.net aufgenommen, die der Alternative für Deutschland (AfD) nachstehe, wie hier klassifiziert wird.

Fazit: Die Äußerungen der beiden ARD-Kabarettisten finden begeisterten Beifall bei den Rechten. So berechtigt einzelne Kritikpunkte seien mögen, munitionieren Rebers und Nuhr mit ihrer öffentlichen Kollegenkritik, für die sich auch gar kein konkreter Anlass erkennen lässt, genau die Kräfte im Land, die sich gegen Demokratie und Rechtsstaat wenden.

Hier zunächst noch einmal die Kritik im Einzelnen mit den Argumenten, die dann von den AfD-Sympathisanten aufgegriffen werden: Das ZDF-Kabarett sei keine Avantgarde mehr, nur noch Mainstream. Die ARD-Satiriker erheben, wie auch dieser Blog, gegen die Zweiten-Satiriker den Vorwurf des kabarettistischen Populismus. Die ZDF-Satiriker hätten sich weit von dem ursprünglichen Anspruch des Kabaretts entfernt, gesellschaftliche Missstände zu kritisieren.

Daraus wird dann bei Freie Welt:

Zum Glück machen die Kabarettisten Andreas Rebers und Dieter Nuhr aus ihrer Kritik an den Kollegen vom Staatsfunk keinen Hehl.
(FreieWelt.net 04.12.2015: „Kabarettisten kritisieren Die Anstalt und Heute Show„)

Ein befremdliches „Glück“, das hier begrüßt wird. Es ist das „Glück“ von AfD, Pegida und der neuen Rechten, dass ihnen Rebers und Nuhr nach dem Maul reden.

Der Erfolg gibt den beiden [i. E. Andreas Rebers und Dieter Nuhr- Anmerkg. SaSe] recht. Die Menschen ahnten doch sowieso, dass nicht Nazis eine Bedrohung für Demokratie und Rechtsstaat sind, sondern dass sich neue Feinde herausgebildet haben, die sie bekämpfen. Nur bis die Staatsbediensteten vom ZDF das mitbekommen, wird es wohl noch eine Weile dauern.
(ibid.; Hervorhebg. SaSe)

So etwas kommt von so etwas her: Die ARD-Kabarettisten liefern die Steilvorlage für derlei Schlussfolgerungen: Nicht die Nazis sind eine Bedrohung für Demokratie und Rechtsstaat.

Und dazu noch der Dummfug mit „Der Erfolg gibt ihnen recht“ … ! Wer dem „Erfolg“ (im Sinne von quantitativem Zuspruch wie etwa Einschaltquoten etc.) das moralische Urteil überlässt, landet hier, hier und hier. Umgekehrt wird ein demokratischer Schuh daraus: Erfolg in Zeiten wie diesen sollte misstrauisch machen. (Übrigens eins der wenigen Argumente, die für Denkfunk sprechen ….)

Wo liegen in obiger Kommentierung der Rebers-Nuhr-Sentenzen die Referenzen von „neue Feinde“ und die des Personalpronomens im Satzteil „… die sie bekämpfen“? Wer sollen diese „neue Feinde“ sein? Die Linken? Die Flüchtlinge? Und wer ist „sie“ – dritte Person Plural für „Demokratie und Rechtsstaat“? Die völlige Unklarheit der Bezüge macht diesen Satz gefährlich. Denn er lässt die Lesart zu, dass es Flüchtlinge und/oder die Linken sind, die Demokratie und den Rechtsstaat bekämpfen; nicht aber die Nazis.


Nähe von Islamismus zu Faschismus
Weiter im ARD-Kabarettisten-O-Ton: Empörungsdienstleister seien sie, die ZDF- und mithin mehrheitlich die D(d)enkfunk-Kabarettisten. „Gesinnungsdarstellung“ nennen Rebers und Nuhr das, was auf diesem Blog unter dem Begriff der penetrant inszenierten „ethischen Vorzüglichkeit“ kritisiert wird. Die Staatsfunk-Satiriker merkten nicht, dass sie genau das sind, was sie kritisieren: Mainstream!

Der nächste Sprengstoff-Satz im FreieWelt-Artikel ist übernommenes Nuhr-Originalzitat:

»Die Linke, die sich früher als intellektuelle Elite empfunden hat, ist heute weitgehend mit der Pflege der über Jahrzehnte erarbeiteten Vorurteile beschäftigt«, ätzt Nuhr. »In diesem Denksystem hat immer der Deutsche und der Amerikaner schuld zu sein. Wenn das nicht der Fall ist, tritt große Ratlosigkeit ein. Bei vielen hat sich die Nähe des Islamismus zum Faschismus noch nicht herumgesprochen. Deshalb haben sie Schwierigkeiten, das Geschehen in ihr einfaches Deutungssystem einzupflegen.
(ibid.; Hervorhebg. SaSe)

Hier arbeitet wieder die von den Rechten bekannte Verschiebung von Islam zu Islamismus, die innerhalb des Nuhr-Zitats erfolgt, also nicht zu den mutigen Ausbau- und Interpretationsverlängerungsarbeiten des FreieWelt-Artikels gehören.

Der fortdauernden Pflege der über Jahrzehnte erarbeiteten Vorurteile würde ich für die Denkfunk-Marionetten nicht einmal widersprechen. Die zur schieren kabarettistischen Routine gewordenen pauschalisierten und undifferenzierten Schuldzuweisungen, wie oben genannt, treffen ebenfalls zu. Aber den ZDF- und Denkfunk-Kabarettisten zu unterstellen, sie erkennen nicht das faschistische Potenzial des (Terror-)Islamismus, ist schon deshalb Unsinn, weil sich diese Kabarettisten ja kaum mit Islamismus und Terror beschäftigen, wie gerade eben ein weiterer Die Welt-Artikel festgestellt haben wollte. Und Serdar Somuncu, auch ein Denkfunk-Autor, hat sich das Aufdecken faschistoider Strukturen in unserer Gesellschaft nachgerade auf die Fahnen geschrieben.


Andreas Rebers ist selbst „Denkfunk“-Autor

Mit der in diesem Artikel skizzierten „Gesinnung“ müsste Andreas Rebers eigentlich sofort von der Kabarettistenvereinigung Denkfunk ausgeschlossen werden, die solche „Populisten“ wie Max Uthoff, Claus von Wagner, Urban Priol et. al. in ihren Reihen führt. Was er dort zu suchen hat, habe ich noch nie verstanden. Immerhin hat er in mehr als einem ganzen Jahr, über das hinweg er als Autor bei Denkfunk geführt wird, kein einziges Video oder eine sonstige Verlautbarung produziert.

Bildzitat Screenshot Denkfunk Autorenliste

Bildzitat Screenshot Denkfunk Autorenliste

Ein als Autor geführter Autor, der kein Autor auf Denkfunk ist – das ist der typische Etikettenschwindel bei der PatchworX Media GmbH, die verdeckt von den Aktivisten des Vereins Global Change Now e. V. straff geführt wird. Dort wird auch gern einmal das Impressum manipuliert, Kritiker werden zensiert und die Redakteure sind mit Fake-Identitäten im Netz unterwegs. Auch vor Drohungen mit nötigendem Charakter schrecken diese Kabarettistenführer nicht zurück!

Auf der anderen Seite werden einzelnen Denkfunk-Autoren und insbesondere der Kabarettsendung Die Anstalt inzwischen selbst Querfront-Strategien unterstellt (vgl. auch Zitate in TS150/15). Und das Umfeld, in dem Denkfunk – und dieser Exklusivclub darf synoym zu Die Anstalt verstanden werden – wirbt und beworben wird, ist ebenfalls bedenklich (SaSe44). Kritiker gehen die Denkfunker Dirk Müller und Inge Hannemann  für ihre wie-verschwörungstheoretischen Ausfälle an (vgl. SaSe67).

Überhaupt ist scharfe Medienkritik zu Die Anstalt und zur heute-show derzeit breit gelagert: Der offene Brief der Huffington Post (vgl. SaSe57), die Attacke von Meedia (SaSe67) sowie zwei jüngere Gastkommentare auf dem Henryk-Broder-&-Co.-Blog Die Achse des Guten (vgl. SaSe65 und SaSe68) zu den Außeninterviews der heute-show.

Ich stimme der Kritik von Andreas Rebers und Dieter Nuhr dort zu, wo sie den ZDF=Denkfunk-Kabarettisten Populismus vorwerfen, sie als Empörungsdienstleister bezeichnen, sie dem Mainstream zuordnen, den zu kritisieren sie nur vorgeben. Aber was die Kritik der ZDF-Kabarettisten an den immer unverhüllter an die Öffentlichkeit tretenden faschistoiden Tendenzen in unserer Gesellschaft und der kaum zu unterschätzenden Gefahr von rechts anbelangt, finden sie mich uneingeschränkt an ihrer Seite.


Mit Nazis kann man nicht reden und nicht mit „Denkfunk“-Kabarettisten
Das größte Problem an dem, was Rebers und Nuhr als „Staatsfunk-Kabarettisten“ bezeichnen sowie an solchen intertextuell-publizistischen Dynamiken (Ausbeute und „Verlängerung“ des Die-Welt-Artikels bei Freie Welt) ist die Tatsache, dass die Kritisierten nicht am meta-kabarettistischen Diskurs teilnehmen, sich kritischen Fragen komplett verweigern und auf berechtigte Kritik überhaupt nicht reagieren. Dann wird die Auseinandersetzung sinnlos – und undemokratisch. Und zur Munition für Rechte. Diese demokratiefeindliche und unerträglich arrogante Diskursverweigerung hatte ich in SaSe65 schon ausführlich betrauert. Diese Verweigerung bekräftigt den vollständigen Glaubwürdigkeitsverlust, den ich insbesondere den Kabarettisten von Die Anstalt schon mehrfach nachgewiesen habe (vgl. auch SaSe67).


Wie sortiert sich Sebastian Pufpaff ins Bild?
Gestern Abend bestritt die ARD einmal wieder den gesamten Satireabend mit Dieter Nuhr. Erst Nuhr im Ersten, danach die Wiederholung von Nuhr – das große Kleinkunstfestival 2015. Als gäbe es nicht jede Menge anderer guter Kabarettisten, vor allem aber KabarettistINNEN. Bei Nuhr im Ersten trat auch Sebastian Pufpaff auf, den ich bisher politisch am ganz anderen Ende des Spektrums verortet habe. Deshalb drängte sich (mir) die Frage auf, ob Pufpaff diese bewiesen rechtsoffene Kritik seines Gastgebers vor der Zusage zu seinem Auftritt in der Sendung bekannt war?

Nein, war sie nicht! Wie eine Blitz-Presseanfrage an Pufpaff ergibt, ist ihm zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses dieses Artikels der FreieWelt-Beitrag nicht bekannt. Pufpaff hofft, dass seine politische Einstellung (auch) im gestrigen Auftritt bei Nuhr im Ersten „deutlich zu erkennen“ sei. Er hält sie für „eindeutig“. Im Übrigen wendet er sich gegen „die Schubladisierung in diesem Land“, die aufzubrechen er nach Mistreitern sucht: „Nicht alle Kabarettisten, nicht alle Zimtsterne und nicht alle trüben Sonnentage repräsentieren immer alles“, heißt es in der wirklich prompten Presseantwort des Künstlers. Danke dafür. Und sicherheitshalber betreffs politische Positionierung nehmen wir noch das hinzu!


Satire- und Kabarettfreunde im Stich gelassen
Zurück zu den von den Pufpaff-Kollegen Rebers und Nuhr aufgerissenen Schubladen der „Empörungsdienstleister“, „Mainstreamer“ und „Populisten“: Die aktuelle politische Krise spaltet also mitsamt der Gesellschaft auch die Kabarettistenszene. Satire- und Kabarettfreunde haben zumindest unter den prominenteren dort die Auswahl zwischen Pest und Cholera: Bei der ARD begrüßt sie der „verlängerte Arm der Pegida“ (Diktum Volker Pispers über Dieter Nuhr) und im Zuggeschirr der AfD laufende Satiriker, deren Kollegenschelte den Rechten die Basis für die Verharmlosung von Nazis bietet und die in ihren politischen Thesen nicht zwischen Islam und Islamismus unterscheiden.

Und auf der anderen Seite, in der anderen Schublade ZDF-Kabarettisten, die ebenfalls populistisch agieren, aus ihren überkommenen und den Problemen der Zeit nicht mehr angemessenen Weltwahrnehmungs- und Interpretationsmustern nicht mehr herausfinden, ebenso einfache Lösungen anbieten wie die Rechten und noch dazu den meta-satirischen Dialog verweigern, ihre Glaubwürdigkeit verspielen und sich von aus dem Dunklen heraus agierenden Aktivisten aus dem Umfeld der Occupy-Bewegung instrumentalisieren und vereinnahmen lassen (satirisch in SüS13). Puuuh!

Jetzt liegt die Hoffnung auf den wenigen KabarettistInnen, die noch glaubwürdig sind und sich nicht dieser finsteren Denkfunk-Truppe angeschlossen haben, sowie auf dem durchaus denk- und wortstarken Nachwuchs in Gestalt von Hazel Brugger, Jan Philipp Zymny (vgl. Videos in SaSe67), Sebastian23 etc. Vielleicht/hoffentlich geht irgendwann auch Schroeder wieder online, der unter von Denkfunk zensiertem Protest die Vereinigung verlassen hatte (SaSe53).

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