Kategorie Archiv:TagesSenf

TS15/17: „PatientDigital“: Möchte ich funktionalen Analphabeten meine Gesundheitsdaten anvertrauen?

Wie an dieser Stelle schon einmal als Tätigkeitsnachweis erwähnt, recherchiere ich seit Wochen zu dem Projekt „PatientDigital“. Diese rechtschreibregelwidrige Projektbezeichnung bezieht sich auf das Angebot eines digitalen Gesundheitskontos, das derzeit und mit der finanziellen Unterstützung des Ministeriums für den ländlichen Raum im Landkreis Sigmaringen eingeführt wird oder werden soll. Die Ziele sind hehr: Es geht um nichts weniger als die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum. Deshalb auch kommen die dafür aufgewendeten Steuergelder nicht vom Sozialministerium, in dessen Zuständigkeit das Ressort Gesundheit fällt, sondern eben vom Landwirtschaftsministerium.

Die Akteure dieses Projekts sind: die Ärztevereinigung Gesundheitsnetz Süd (GNS) und das Unternehmen Vitabook GmbH, personifiziert durch dessen imposant charmanten und redegewandten Gründer Markus Bönig.

Umso länger ich recherchiere, desto begeisterter bin ich von der Idee an sich. Da sie insbesondere auch chronisch kranken Patienten verführerisch funkelnde Vorteile bietet, war ich kurz davor, mich bei Vitabook beziehungsweise auf dem eigens für die Projekt-Objekte im Landkreis Sigmaringen installierten Portal patient-digital.de registrieren zu lassen. In einem „Selbstversuch“ hätte man die dabei und die im Kontakt mit den verschiedenen medizinischen Dienstleistern gemachten Erfahrungen parallel veröffentlichen können. Weiterlesen

TS14/17: Wo Südkurier und Schwäbische sich verweigern: „SOFA“ ordnet ein

„Verlautbarungsjournalismus“: Mit diesem schmerzhaft treffenden Terminus für die „Qualität“ der Regionalpresse in unserer Region bezeichnete Bürgermeister Hans-Jürgen Osswald der Gemeinde Neuhausen ob Eck mir gegenüber einmal das, was Südkurier und Schwäbische Zeitung lokal in den Rubriken Politik und Wirtschaft regelmäßig und in Verweigerung ihrer journalistischer Pflichtaufgaben in Druckzeilen gießen. Osswald weiß wovon er spricht, war er doch selbst einige Zeit als sogenannter freier Mitarbeiter der Regionalpresse schreibend tätig.

Das kritische Nachfragen, die unabhängige Einordnung von Themen, Sachverhalten und Entscheidungen auf Lokalebene entfallen in den genannten Druckerzeugnissen plus digitalem Anhang nahezu vollständig. Weder Südkurier noch Schwäbische legen sich mit den kleinen lokalen Machthabern an. Für diese Totalverweigerung dann in der Tat zutreffende ökonomische Gründe anzuführen, führt den Journalismus ad absurdum.

Stattdessen übernehmen diese wichtigen Aufgaben immer häufiger und nicht nur in diesem Landkreis (hier z. B. für den Landkreis Konstanz) das Internet und die einschlägigen – in diesem Fall regional berichtenden – Blogs. Hier ein weiterer dieser und von mir besonders geschätzter.

Kritische Blog-Beiträge mit regionalem (!) politischem Engagement: Heute diesbezüglich besonders zu empfehlen: „Gewerbegebiet und Gesang“ auf dem Blog SOFA – Schönes Ostrach für alle. Herausgeber Franz Schreijäg kontrastiert dort erkenntnisfördernd das salbungsvoll-kitschige Gewese des Ostracher Bürgermeisters Christoph Schulz plus Entourage bei der Einweihung des interkommunalen Gewerbegebiets Königsegg mit den bisher vorliegenden Fakten und Zahlen. Und Schreijäg stellt die sich daraus ergebenden Fragen. Weiterlesen

TS13/17: Digitales Gesundheitskonto: Schwäbische Zeitung erfindet Gesundheitsministerium

Unser Thema heute (und in den nächsten Wochen?): Einführung eines digitalen Gesundheitskontos im strukturschwachen Landkreis Sigmaringen. Mit einer finanziellen Unterstützung von sagenhaften 150.000 Euro des Ministeriums für den Ländlichen Raum will das Ärztenetz Gesundheitsnetz Süd (GNS eG) in Kooperation mit der Firma Vitabook aus Jesterburg in unserem Landkreis als Pilotprojekt ein sogenanntes digitales Gesundheitskonto einführen. Dort sollen dann unter der ausschließlichen Direktive des Patienten alle relevanten Gesundheitsdaten für Ärzte, Apotheken und andere medizinische Dienstleister abrufbar sein.

Die Option als solche ist auch unter der Bezeichnung „Patient digital“ bekannt. Die Bertelsmann Stiftung forscht zu den vielfältigen Fragestellungen, die sich damit verbinden.  Diese Fragestellungen jedoch bestehen nicht für die beiden Protagonisten in unserem Landkreis, die einfach schon einmal loslegen bzw. loslegen wollen.

Die Berichterstattung in der Regionalpresse à la Südkurier und Schwäbische Zeitung zu diesem gesundheitspolitisch sehr brisanten Projekt hält sich noch in verdammt engen Grenzen. Als ein Thema, das kritische Berichterstattung und ausführliche Recherche verdient, kommt es beim Südkurier bisher überhaupt nicht vor.

Aber die Schwäbische wagt sich an das heiße Eisen. Und platscht gleich mit Bravour ins Fettnäpfchen. Publizistik kann aber auch schwer sein, sobald man sich aus den bequemen Bahnen der puren Terminberichterstattung und des Verlautbarungsjournalismus hinausbegibt … Weiterlesen

TS12/07: Ärzte im Bodenseekreis appellieren auch gegen den 1.000-Kühe-Stall

+++ Eine geschlossene Intensivstation vs. Einzelinteressen in Ostrach-Hahnennest
Im August 2017 musste das Klinikum Friedrichshafen vorübergehend Bereiche der Inneren Intensivstation schließen. Grund: der Nachweis von bestimmten multiresistenten Keimen (hier: Vancomycin-resistente Enterokokken = VRE). Vancomycin jedoch ist ein Antibiotikum, das exakt in den Fällen zum Einsatz kommt, wo andere Antibiotika nicht mehr greifen. Der SWR ergänzt seine Meldung dazu mit dem Hinweis:

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) nehmen Keime, die gegen Antibiotika resistent sind, immer mehr zu. Allein in der EU sterben nach Angaben des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten jährlich etwa 25.000 Menschen wegen einer Infektion mit Erregern, gegen die Antibiotika nicht mehr wirken.
(SWR 13.08.2017: „Keime im Klinikum Friedrichshafen – Intensivstation weiter teilweise gesperrt“)

Der kausale Zusammenhang zwischen dem Auftreten und der Verbreitung von multiresistenten Keimen, die für Mensch und Tier lebensgefährlich sein können, und der Intensiv- oder vulgo Massentierhaltung ist wissenschaftlich längst bewiesen (zum Bleistift). Nicht umsonst appellieren Ärzte seit Jahren gegen diesen gefährlichen Auswuchs einer industrialisierten Landwirtschaft. Weiterlesen

TS11/17: Veranstaltungshinweis: Film & Diskussion „Gute Landwirtschaft für ein gutes Leben“

Am kommenden Montag, den 18. September 2017, um 18.00 Uhr findet im Stadtforum, Bad Saulgau, Lindenstraße 7, eine Filmvorführung und anschließende Diskussion mit der grünen EU-Parlamentsabgeordneten Maria Heubuch statt. Veranstalter ist Bündnis 90 / Die Grünen Kreisverband Sigmaringen.

Schon der Titel der Veranstaltung weist darauf hin, dass es an dem Abend um die Zukunft geht – nicht um die Vergangenheit, wie sie derzeit in Ostrach – Stichwort 1.000-Kühe-Stall – für die Zukunft gestaltet wird.

Dem angekündigten Film „Bauer unser“ eilt ein exzellenter Ruf (Kritik im Tagesspiegel) voraus. Ein Qualitätsnachweis des Films dürfte es auch sein, dass er sogar von den Interessensverbänden der Landwirtschaft empfohlen wird wie hier bei agrar heute. Weiterlesen

TS09/17: Gemeinderat-Notizen im Schatten eines Eingriffs in die Pressefreiheit

„Da ich den sich inzwischen überstürzenden Ereignissen rund um den Energiepark Hahnennest und anderen Skurrilitäten aus der Gemeinde Ostrach mit meinen Veröffentlichungen kaum mehr hinterherkomme, sei den treuen SaSe-Lesern zunächst nur ein kleiner TagesSenf mit Links zur aktuellen Berichterstattung der Regionalpresse dargereicht.“
So lautete die erste Einleitung zu diesem TagesSenf, die jetzt schon wieder hinfällig wird durch das nächste Highlight. Das wurde während des Layouts des ersten Teils dieser Meldung von Oliver Paul, Leiter des Reinhold-Frank-Schulzentrums Ostrachtal gesetzt.
*

+++ Gemeinderat beschließt Änderung Bebauungsplan für Biohybrid-Energiespeicher
Am vergangenen Montag, 4. September 2017, fand im Foyer der Grundschule des Reinhold-Frank-Schulzentrums eine hochinteressante Gemeinderatssitzung statt. Auf der Tagesordnung stand zwar nicht alles, was im öffentlichen Teil der Sitzung Thema war (trapp-trapp, ich bin die Gemeindeordnung Baden-Württemberg) – ein informativer Vortrag von Roland Schönbucher über Jugendgemeinderatsarbeit etwa kam für Räte, Presse und Besucher vergleichsweise „überraschend“ -, dafür hatte es TOP 1 massiv in sich:

Änderung [Bebauungsplan – Klammerausdruck zum  Verständnis ergänzt von SaSe] „Regenerative Energie Hahnennest Fohrenbühl“- Hybridanlage
– Aufstellungsbeschluss
– Billigung des Entwurfs und Beschluss zur Offenlage

„Natürlich“ (dazu später mehr) ging der entsprechende Beschluss nach einer mehr als einstündigen lebhaften Diskussion zum Thema Lärmschutz für primär die Bewohner von Kalkreute einstimmig in die Welt hinaus. Vorher hatten sich insbesondere die Gemeinderäte Jürgen Arnold (CDU), Rudolf Birkhofer (CDU) und Jörg Schmitt (SPD) für die Erhaltung eines Restes von Lebensqualität für Kalkreute verwendet. Wo diese jene inzwischen verorten, dokumentiert eindrücklich ein Bittbrief von Kalkreuter Bewohnern an Bürgermeister und Gemeinderat, der (noch) hier (Vorlage Nr. 6) abrufbar ist. Sie sollten ihn lesen. Für mich hat er den Rang eines zeitgeschichtlichen Dokuments, wenn man sich das 21. Jahrhundert dazu notiert.

Aber gegen Bürgermeister Christoph Schulz‘ Märchenstunde zum Thema Gutachter (Stichwort: Schützenverein) kam das Kalkreuter Bitten und Flehen nicht an.  Überhaupt entstand – bei mir – insgesamt der Eindruck, dass Schulz doch eher die Interessen der ebenfalls mit zwei RepräsentantInnen anwesenden Erdgas Südwest vertritt. Aufstellungsbeschluss und Billigung des Entwurfs erfolgte Ostrach-natürlich wieder einstimmig. Weiterlesen

TS06/17: BUND-Kritik, Sprachkritik, VG-Wort-Kritik

+++ Harsche Kritik am BUND auf Seemoz
In der Causa „Energiepark Hahnennest“ und „1.000-Kühe-Stall“ zitiere ich häufiger und gern den BUND Pfullendorf, der eine klare Position gegen das Steinzeitprojekt der Gemeinde Ostrach mit unabschätzbaren ökologischen Folgelasten bezogen hat.

Aus dem lokalen Zusammenhang heraus und in die aktuelle Bundestagswahlkampf-Kulisse hinein wirft Seemoz einen wohltuend kritischen Blick auf die bekannten Naturschützer und ihre Strategie im aktuellen Wahlkampf. Der Artikel Heimvorteil für Kandidat Andreas Jung behandelt folgendes Phänomen: Für den 6. September 2017 laden BUND und NABU ins Radolfzeller Milchwerk zu einer Podiumsdiskussion mit dem Titel Energiewende braucht Rückenwind ein. Dort säßen dann BewerberInnen, die, so die Seemoz-Kritik, in unserer Region eher unbekannt sind. Das gebe dem CDU-Platzhirsch Andreas Jung Raum, „dessen Öko-Kurs in den vergangenen Jahren oft fragwürdig war“.
Seemoz sieht in dieser Kandidatenauswahl „eine klare und auch unverschämte Bevorzugung eines Bewerbers“.

Seemoz, das Magazin „für den Bodenseeraum und das befreunde Ausland“, berichtet im nämlichen Artikel dann noch von einem skurrilen Vorgang auf der Insel Reichenau, der fast so steinzeitlich anmutet wie der 1.000-Kühe-Stall in Ostrach. Weiterlesen

TS05/11: Fake News zum Ostracher Ku’Damm und keine Massentierhaltung in Hahnennest

+++ Ein kapitales Immobilien-Schnäppchen auf dem Ostrach Ku’damm
Der Ostracher Blog-Kollege Franz Schreijäg hat auf einem Immobilienportal ein imposantes Angebot in Ostrach gefunden.  Bemerkenswert an dem Objekt ist neben dem strammen Preis vor allem die Lobpreisung der – behaupteten – Infrastruktur und Attraktivität von Ostrach. Das, was andere vielleicht als „alternative Fakten“ bewerten würden, filetiert der Kollege süffisant mit dem Instrument der Ironie. Lesenswert!
*

+++ EPH hat 2011 zugesichert: keine Massentierhaltung!
Bei den weiteren Recherchen zum 1.000-Kühe-Stall und dem Energiepark Hahnennenst (EPH) in Ostrach bin ich auf ein interessantes Dokument gestoßen. 2011 haben der EPH, der BUND und die Firma Geberit Pfullendorf ein 10-Punkte-Papier zu „Biogas Ostrach-Hahnennest“ vereinbart und veröffentlicht. Dort heißt es unter Punkt 5: Weiterlesen

TS04/17: Ein Hammer-Charmebolzen bei der Gemeinde Leibertingen

Der Morgen, wenn er früh ist … und man trotzdem und deshalb einen Anruf verpasst hat. Die Sprachbox berichtet Erstaunliches. Es spricht ein Beamter der Gemeindeverwaltung Leibertingen. Das ist schon mal an sich spannend, weil ich außer dem hier noch nie etwas mit der Gemeinde Leibertingen zu tun hatte. Und auch einwohnertechnisch nicht in deren Zuständigkeit falle. Dazu bin ich viel zu happy über „meinen“ Sauldorfer BüM Wolfgang Sigrist. Denn wir Sauldorfer hatten da schon weit üblere Zeiten! Konnten wir aber an Pfullendorf abdrücken!

Mein persönlicher Assistent Sprachbox richtet mir des Weiteren von der Gemeinde Leibertingen aus, dass eine Baulast jetzt erreichbar wäre. Hammer! Nicht dass ich ohnehin schon genug Lasten hätte, aber Baulast ist neu.  Mein bau- und verwaltungsrechtliches Wissen ist ohnehin massiv ausbaufähig, aber bisher hatte ich vermutet, dass mit „Baulasten“ nur Grundstückseigentümer beschäftigt sein können. Winkt hier etwa ein soziales und vermögenstechnisches Upgrade? Weiterlesen

TS03/17: Zu unterschreitende Grenzwerte nicht nur bei Dieselautos

Der SatireSenf.de-TagesSenf beschäftigt sich im Moment und bis auf Weiteres mit dem aktuellen Schwerpunktthema dieses Blogs rund um die Agrogasanlage „Biogasanlage Hahnennest“ und den 1.000-Kühe-Stall im gleichnamigen Ortsteil der Gemeinde Ostrach im Landkreis Sigmaringen. Dabei versuche ich fortlaufend auch, die Manipulation der Leser, Verbraucher und Bürger durch invasiv verwendete Euphemismen (z. B. „Biogasanlage“, die mit angeblichen „Abfallprodukten“ bestückt werde etc. – siehe auch hier), offensichtliche Widersprüche und inhärente Realsatire herauszuzisilisieren.

+++ Erdgas Südwest, die Biohybrid-Anlage und das Modalverb „soll“
Wie die Schwäbische Zeitung (mit betrüblich vielen Rechtschreib- und Tippfehlern; für Jugendliche unter 16 Jahren nicht zu empfehlen) berichtet, hat Erdgas Südwest auf einer Veranstaltung im Kalkreuter Feuerwehrhaus die Ostracher Bürger über die geplante Biohybrid-Anlage (Investitionsvolumen: 13 Millionen Euro!) im Ortsteil Hahnennest informiert. Die Artikel-Headline lautet „Lärm soll unter Grenzwerten liegen“.
Senf: „Soll“ – wir falten die Hände zum Gebet. Grenzwerte gleich welcherart und die von der Industrie behauptete Skalierung ihrer Produkte unterhalb dieser, sind im Moment ein hochexplosives (!) Reizthema … und deshalb eigentlich in der Nähe von Gas zu vermeiden? Offensichtlich mache die Anlage auch so viel Lärm, dass Schallschutzmaßnahmen notwendig sind. Klingt stringent ökologisch. Weiterlesen

Copyright © 2018. Powered by WordPress & Romangie Theme.