Kategorie Archiv:TagesSenf

TS85/16: „Reichsdeppenrundschau“: Reichsbürger und ihre Hamster-Fähigkeiten

Ganz abgesehen vom politischen Gehalt begeistert mich die Reichsdeppenrundschau 1 seit Jahren und immer wieder – nicht zuletzt sprachlich. Den dort angebotenen Newsletter habe ich abonniert. Im aktuellen Briefing über die inzwischen auch staatlich anerkannt als hochgradig gefährlich zu klassifizierenden Reichsbürger findet sich folgendes gelungene Konstrukt:

Ein Reichsbürger reagiert auf stichhaltige Gegenargumente ungefähr so, wie ein Goldhamster auf Klavierunterricht reagiert: eher zurückhaltend.
(Reichsdeppenrundschau Newsletter 02.11.2016)

Es ist weder das Klavier noch der Goldhamster, was hier die Pointe ausmacht. Es ist das „eher zurückhaltend“.

Senf: Können!

1: In diesem Kontext verzichtet SaSe auch auf das sonst geforderte Impressum. Bei dieser Art von Gegner ist es schlicht lebensgefährlich!

TS84/16: Comedy-Preis 2016: Der schamlose Dieter Nuhr und seine Amigos

Wir können es dazu sehr kurz halten, denn alles, was man über dem Comedy-Preis 2016 wissen muss, steht in diesem wohltuend auf den Punkt gebrachten Meedia-Artikel (dpa Christoph Driessen):

Die Verleihung des Deutschen Comedypreises ist eine jener Sendungen, bei denen man mit hoher Wahrscheinlichkeit die Ausgabe des vergangenen Jahres wiederholen könnte, ohne dass es groß auffallen würde. Die Nominierten, Laudatoren, Preisträger, Moderatoren und Juroren – sie werden jedes Jahr nur ein bisschen gemischt, und dann ist eben derjenige, der letztes Mal den Preis ausgereicht hat, diesmal selbst Empfänger und umgekehrt. Zur besseren Orientierung gab es jetzt wenigstens einen Moderatorenwechsel: Erstmals führte Max Giermann (41) durchs Programm – in Nachfolge von Carolin Kebekus und Dieter Nuhr.
Nuhr ist dem Comedy-Preis in besonders vielfältigen Funktionen verbunden. Er ist langjähriger Moderator, mehrfacher Preisträger, und Vorsitzender der Jury –  so auch in diesem Jahr. Bester Komiker und Juryvorsitzender – das vielleicht die beste Pointe am ganzen Comedypreis, allerdings ist der Witz nicht neu.
(Meedia 26.10.16: „Deutscher Comedypreis 2016: Nuhr und Kebekus weiter auf Comedy-Thron – Böhmermann und P7S1 gehen leer aus“; Hervorhebg. SaSe)

SaSe-These: Dass Jan Böhmermann aus dem Boot geworfen wird, ist kein Wunder. Man mag von ihm halten, was man will: No way, dass er auch nur „Dienstbeflissenheit“ gegenüber dem pudelnackten König Dieter Nuhr zeigen würde (vgl. auch SaSe31). Weiterlesen

TS83/16: Malik Nejer und unsere Alpen-Satiriker

+++ Hazel Brugger zu Gast bei Jan Böhmermann
Schal. Genau: schal. Das ist das treffende Attribut für den Gastauftritt von Hazel Brugger bei Neo Magazin Royale gestern Abend. Das findet auch die NOZ. Der Boulevard begeistert sich ersatzweise an dem Spiel „Google dass“.

Senf: Die Kunst geht nach Brot. Und Nachwuchskünstler müssen sich um Gastauftritte kümmern. Sagen wir: Es ist glimpflich abgelaufen. Brugger brilliert als Solokünstlerin auf hohem Abstraktionsniveau. Das verträgt sich schlecht mit einem so derb arbeitenden Gastgeber wie Jan Böhmermann.


+++ „Die Tagespresse“ provoziert Gabalier-Fans

Unpolitisch kommt Satire am schnellsten an ihre vielbesungenen Grenzen – zumindest hinsichtlich der Parameter Toleranz und Akzeptanz -, zum Beispiel wenn sie Promis aus Musik und Film angreift. Das hat jetzt auch der erfolgreiche österreichische Satireblog Die Tagespresse ausprobiert. Mit Gabalier verliebt sich im Museum in Neandertalerin hatten die Satiriker in null Komma nix die Schmierbubi-Fans an den Hacken. Es berichtet: Heute.at. Weiterlesen

TS82/16: Kabarett ohne, BGH-Richter mit Zeigefinger

+++ Autovermieter Sixt geht juristisch gegen „Titanic“ vor
Die Satirezeitschrift Titanic hat in ihrer aktuellen Ausgabe eine gefakte Anzeige des Autovermieters Sixt abgedruckt, die den zerschossenen LKW des Nizza-Attentäters zeigt. Das hat der Autovermieter abgemahnt. Die Titanic habe die Unterlassungserklärung unterzeichnet. Mehr dazu bei Meedia.


+++ Till Reiners: „Kabarett ohne Zeigefinger“
SaSe ist ein bekennender Fan von Till Reiners. Deshalb tut es mir auch besonders gut, wenn Regionalzeitungen bei ihren Theaterkritiken den Finger in die bundesweite Wunde legen, wie es die Augsburger Allgemeine in dieser Theaterkritik über den Unbestechlichen tut: Kabarett ohne Zeigefinger.
Wer für Satire und Kabarett mit der permanent geschwungenen Moralkeule schwärmt, ist bei Denkfunk exakt an der richtigen Adresse. Weiterlesen

TS81/16: Beobachtet, vorgelegt, reingefallen, aufgestiegen, verschärft

+++ „Bohemian Browser Ballet“ verdient mehr Beachtung
Die Satiriker vom Bohemian Browser Ballett machen schon wieder Schlagzeilen. Dieses Mal haben sie den satirischen Haken hinter die permanenten Lippenbekenntnisse Facebooks zum Thema Hatespeech gesetzt.

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+++ Donald Trump als satirische Steilvorlage
Der Hastag lautet #DonaldTrumpTheMovie und ist ebenso produktiv wie äußerst unterhaltsam. Eine Auswahl der besten Tweets dazu bei  Meedia. Weiterlesen

TS80/16: Satire-Niveau 2016: Bratwurst-Pimmel und gehängte Nazis

+++ Auch darum hält SatireSenf nichts von Martin Sonneborn
Darf es wahr sein? Ein neues Plakat der Satirepartei DIE PARTEI, Vorsitzender Martin Sonneborn, zaunpfahlwinkend an einem Laternenmast angebracht, titelt „Hier könnte ein Nazi hängen“.
Ich persönlich habe äußerst bittere Erfahrungen mit dieser angeblichen Satirepartei gemacht, aus der ich als Mitglied unter Protest ausgetreten bin.
Wenn sich Sputniknews darüber echauffiert, ist das noch nicht weiter verwunderlich für ein russische Propaganda-Outlet. Auf Facebook sollen sich die User schwer empört haben. Und auch die deutschen Medien berichten: Hannoversche Allgemeine + Berliner Zeitung + bento.


+++ Micheal Mittermeier reibt sich an Mario Barth
Es gehört wohl in die Langohren-Kategorie: Der Comedian Michael Mittermeier kritisiert den Comedian Mario Barth für dessen FB-Posting zur aktuellen Terrorsituation in Deutschland. Es berichtet: Meedia. Weiterlesen

TS79/16: Ballett, Schachbrett, „SPAM“ (†) und Neues zu AASgS

+++ Gelungene Satire-Reaktion auf Renate Künasts Tweet
Der grundsätzlich sicherlich für eine Abgeordnete legitime, vom Zeitpunkt her jedoch unglücklich ausgewählte Tweet von Renate Künast zum Würzburg-Attentäter, warum der junge Mann von der Polizei nicht angriffsunfähig statt totgeschossen worden sei, hat jetzt eine satirische Antwort gefunden. Allerdings nicht aus den Quellen der „üblichen Verdächtigen“ oder für Satire Bestallten, sondern vom Bohemian Browser Ballett (Selbstzuschreibung: „Das Bohemian Browser Ballett ist die erste Late Show, die exklusiv vom Internet her gedacht ist.“). Siehe auch Berichterstattung bei Meedia. Der Clip ginge auf Facebook viral und hat auf YouTube schon über 250.000 Klicks. Weiterlesen

TS78/16: Zeiten, in denen die Amadeu Antonio Stiftung Zensur von Satire fordert

+++ „Amadeu Antonio Stiftung fordert Zensur von Satire-Beitrag“
So titelt die Überschrift in der Jungen Freiheit zu einem bemerkenswerten Vorgang: In der ZDF-Sendung Heute in Deutschland hatte sich Reporter Achim Winter satirisch-kritisch mit den Hatespeech-Kriterien der Amadeu Antonio Stiftung auseinandergesetzt.

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Die Zeit hatte den Vorgang aufgegriffen. Wohin dabei die Reise geht, enthüllt auch hier die Überschrift des Beitrags: ZDF macht Kampf gegen Hasskommentare lächerlich. Das (überschätzte?) Wochenblatt hatte auch beim ZDF um eine Stellungnahme gebeten. Das reagierte wie bekannt: Distanzierung: Weiterlesen

TS77/16: Von Böhmermann, Hill, Welke und „Postillon“

+++ Causa Böhmermann – nächste Runde
Eine Überraschung ist es nicht: Der türkische Präsident Erdogan hat über seinen (einen) Anwalt Michael-Hubertus von Sprenger (gezielt) beim Landgericht Hamburg Klage gegen Jan Böhmermanns Schmähgedicht im Ganzen eingereicht. Man wird sich vermutlich auf ein jahrelanges Verfahren einstellen können.
Die Anwälte beider Parteien machen dubiose Andeutungen über neue Aspekte und Argumente, die von Meedia sehr gut zusammengestellt werden.
Im Übrigen knobeln Böhmermann und ZDF gerade die weiteren Vertragsmodalitäten aus. Dabei macht ZDF-Intendant Thomas Ballut zitierfähige Grundsatzäußerungen zu Satire, die all jene beschenken werden, die sich so sehr Grenzen des Genres wünschen: Satire soll keine Staatskrisen auslösen.

By the way: Ein weiterer Meedia-Artikel berichtet, dass gegen Jan Böhmermann inzwischen über 1.400 Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft Mainz eingegangen seien, überwiegend von Privatpersonen. Mit einer kurzfristigen Entscheidung der Behörde sei nicht zu rechnen. Die Ermittlungen würden sich aber auch nicht „viele Monate“ hinziehen. Weiterlesen

TS76/16: Satiriker als Systemstabilisatoren am Beispiel Serdar Somuncu und anderes

+++ Serdar Somuncu beschimpft britische Wähler
In seiner Kolumne in der WirtschaftsWoche beschimpft Serdar Somuncu die Briten für ihr Brexit-Votum. Er wirft sich auf die Seite der Mächtigen – in diesem Fall die EU – und bekräftigt diese in ihren Ankündigungen, das Votum in Fakten zu überführen (i. e. Auslösung von Artikel 50).

Senf: Herrliches Beispiel für politisches Kabarett „in dieser Zeit“ und Ausweis des demokratischen Verständnisses seiner Akteure: Satiriker beim Wähler-Bashing und auf Kuschelkurs mit den Mächtigen, deren (neoliberale) Mythen vorangetrieben werden: „Selten hat man erlebt, dass Menschen, denen es gut geht, sich so sehr nach Veränderungen sehnen.“ Toll, was Herr Somuncu so alles weiß darüber, wie es den Menschen in Europa im Allgemeinen, in Großbritannien im Besonderen und natürlich auch denen in Deutschland wirklich geht. Aber seine systemkonforme Anbiederung erklärt vollständig, warum er eine eigene Kolumne in der Wirtschaftswoche hat und warum er im öffentlich-rechtlichen Fernsehen soo viel Auftritte bekommt. Und warum er bei Denkfunk agiert … Und natürlich lässt Somuncu in seiner Kolumne auch die Leser am rechten Rand nicht achtlos stehen und sammelt sie mit seinen nationalistischen Tönen gleich mit ein: die blöden Briten, wir schlauen Deutschen. Kein Wunder, dass Kritiker Denkfunk und die dort von unsichtbarer Hand dirigierten Kabarettisten der Querfront zuschlagen. Weiterlesen

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