Tag Archiv:Gemeinde Langenargen

PB5: Schändliche Unterbringung in Kressbronn: Südkurier erhält keine Auskunft zu kritischen Fragen

Ich tue dem brillanten Südkurier-Artikel „Sind 15 Quadratmeter Privatsphäre für eine Familie mit zwei Kindern genug?“ von Katy Cuko unrecht, wenn ich ihn auf den Aspekt der (auch) dem Südkurier verweigerten Presseauskunft reduziere. Denn was Cuko in ihrem Beitrag über die unwürdige Unterbringung einer jungen Geflüchteten-Familie in und durch die Gemeinde Kressbronn beschreibt, ist nachgerade erschütternd. Dort müssen eine hochschwangere Frau, ihr Mann und ein achtjähriges Kind in einem Zimmer von 15 Quadratmetern hausen. Für diese Unterbringungen haben sie dann auch noch 680 Euro „Nutzungsgebühr“ an die Gemeinde abzuledern. Ihre eigenen Schränke oder so etwas Essentielles wie Betten haben in diesem kleinen Zimmer natürlich keinen Platz. Die junge Familie legt abends Matratzen am Boden aus. Und jeden Tag kann das Baby auf die Welt kommen.

Wie auch schon dieser aufrüttelnde Südkurier-Artikel über die miese Unterbringung von Geflüchteten in Langenargen beschreibt der neue Beitrag eindrücklich das komplette Versagen des Gemeindeverwaltungsverbandes Eriskirch-Kressbronn-Langenargen und seines Integrationsbeauftragten Mirko Meinel vor der gestellten Aufgabe.

Und dieses Versagen – oder nach meinem Eindruck treffender bezeichnet: der fehlende gute Wille in den drei Kommunen – zieht sich nun schon seit Jahren hin (vgl. Links hier). Inzwischen liegen dazu so viele Falldokumentationen vor, dass es sich meiner Meinung nach um institutionellen Rassismus handeln muss. Anders lässt sich der verächtliche Umgang der drei Gemeinden mit den Menschen in Not über Jahre und diverse „Einzelfälle“ hinweg nicht erklären. Weiterlesen

TS124/20: #Salemwahl Aktionsbündnis Grünzug Salem: Die Antworten im Kandidatencheck

Die Bürgermeisterwahl in Salem rückt näher. Am Sonntag, den 27. September 2020, ist es so weit. Das Aktionsbündnis Grünzug Salem hatte den drei Kandidaten für das Amt sechs (bzw. fünf) Fragen gestellt und um Beantwortung gebeten. SaSe hatte hier berichtet.

Nun liegen die Antworten der drei Bewerber auf die Fragen rund um Bürgerbeteiligung, Finanzen und Klimaschutz vor.

Um den Rathaussessel in Salem bewerben sich Amtsinhaber Manfred Härle (CDU) (auf SaSe z. B. hier), die Salemerin Birgit Baur sowie der aus Bayern kommende Dr. Roland Martin (auf SaSe z. B. hier). Wie unausgewogen dieser Blog ist erkennt der Beobachter unschwer daran, dass es keinen ätzenden Senf zu Birgit Baur gibt. Aus Gründen!

Das Aktionsbündnis Grünzug Salem hat die Antworten der Kandidaten sehr anschaulich und gut lesbar in einem Pdf-Dokument zusammengefasst. SaSe-Leser finden es hier. Darüber hinaus und um auch analoge Leser zu erreichen, werden diese Antworten am 17. September 2020 in Papierversion mit dem Amtsblatt in Salem verteilt. Weiterlesen

TS109/20: Langenargen: Integrationsbeauftragter droht traumatisierter Mutter mit Wegnahme der Kinder

Ein aktueller und ganz hervorragender Südkurier-Artikel zur Flüchtlingsunterkunft Untere Seestraße in Langenargen zeigt den Idealfall im Lokaljournalismus: Synergie-Effekte der Berichterstattung über einzelne Medienhäuser und Blogs hinweg! Nachstehend zu Be-Senfendes ist leider in dieser Herrlichkeit ein viel zu seltener Einzelfall. Als solcher ist er hinsichtlich der Mitwirkung des Südkuriers der brillanten freien Mitarbeiterin Katy Cuko zu danken!

Die Bloggerin Elke Krieg, die in Langenargen lebt, hatte den Fall einer afghanischen Flüchtlingsfamilie im Juli 2020 aufgegriffen und auf ihrem Blog Agora-La mehrfach über die katastrophale Unterbringung durch die Gemeinde berichtet (hier). SaSe wiederum hatte Kriegs Berichterstattung verlinkt und besenft (hier). Der junge Langenargener Gemeinderat Tizio Pfänder hatte dann in der letzten Gemeinderatssitzung Bürgermeister Achim Krafft unter dem Punkt „Diverses“ offen auf die Missstände, von denen er sich zuvor persönlich überzeugt hatte, angesprochen und die Unterbringung als „menschenunwürdig“ bezeichnet (SchwäZ berichtete, SaSe kuratierte).
*

Bild von Markus Winkler auf Pixabay

*
Ritterschlag für
Agora-La von der SchwäZ
Auch die Redakteurin Tanja Poimer von der Schwäbischen Zeitung hatte den Vorgang im Rahmen ihrer Gemeinderatsberichterstattung aufgegriffen. Dafür wurde sie von einem anderen Blog in Langenargen aufs übelste und sehr ungerecht attackiert. Offensichtlich verstehen die „Kritiker“ dort nicht, was Gemeinderatsberichterstattung ist und was sie zulässt. Die Kritik an Poimer ist also hier nicht nur ungerechtfertigt. Sie ist auch noch unterirdisch dämlich! Weiterlesen

TS106/20: Langenargen: Tizio Pfänder – ein couragierter Gemeinderat mit Haltung

Der Bürgermeister-Wahkampf in Langenargen hat nicht offiziell, aber spürbar  doch schon begonnen. Das merkt man nicht zuletzt an solchen Phänomenen. Nebeneffekt: Mehr Menschen gucken genauer hin. Dabei stellen sie das fest, was mir und meiner Blogger-Kollegin Elke Krieg immer wieder von zufälligen Zeugen, betroffenen Gemeinderäten und Beobachtern berichtet wird: Wie respektlos und teilweise bevormundend Bürgermeister Achim Krafft gelegentlich mit seinen Räten umgeht.

Deshalb bekommt ein Vorgang in der jüngsten Gemeinderatssitzung ganz besonderes Gewicht. Da nämlich hatte der grüne Gemeinderat Tizio Pfänder es gewagt, die skandalösen Missstände in der Unterbringung von Geflüchteten anzusprechen.

Wochen zuvor hatte Elke Krieg hier darüber berichtet. Auch SaSe hatte sich dem angeschlossen. Ansonsten ist in Langenargen dazu nichts weiter passiert – außer dass die Gemeinde inzwischen Schabenfallen hat aufstellen lassen. Man beachte die Reihenfolge: Das Ungeziefer wird erst bekämpft, nachdem schon wochenlang Menschen in dem versifften Drecksloch „wohnen“ müssen.
*

Das muss man sich mal reintun: Obwohl Langenargens Bürgermeister Achim Krafft die Untere Seestraße schon vor fünf Jahren als nicht mehr für Menschen geeignet bewertet hatte, steckt man wieder eine ganze Familie in das auch von Ungeziefer verdreckte Loch. Nach entsprechenden Veröffentlichungen dazu schickt die Gemeinde jemanden vorbei, der die Hütte mit „Schabenklebefallen“ bestückt! Das hier ist KEIN Symbolfoto, sondern eine Aufnahme von diesen Dingern in der Unterkunft in Langenargen!
Foto: Elke Krieg

Pfänder hatte sich vor der jüngsten Gemeinderatssitzung selbst einen Eindruck von den Verhältnissen in der Unteren Seestraße verschafft. Und er sei entsetzt gewesen. Dieses Entsetzen artikulierte er dann unter dem Punkt „Verschiedenes“. Was dem folgte, fasst die SchwäZ-Redakteurin Tanja Poimer in die Überschrift: „Zoff um Zustand der Notunterkünfte“. Weiterlesen

TS102/20: Langenargen: So unterstützt SchwäZ-Schreiber Andy Heinrich den Bürgermeisterwahlkampf

Kardiale Hyperthermie ist ein physiologisches Phänomen, das es (vermutlich) gar nicht gibt. Zumindest nicht in der exklusiv ans Herz gekoppelten Wort-Kombi und im Pschyrembel. Der Begriff wurde wieder mal von SaSe erfunden. Und zwar extra für den herzerwärmenden Fall des freien Mitarbeiters der Schwäbischen Zeitung Andy Heinrich.

Der glänzte ja früher damit, auf seiner gewerblichen Fotografen-Homepage ausdrücklich damit zu werben, dass die Gemeinde Langenargen ein „zuverlässiger Partner“ seiner gewerblichen Tätigkeit sei.

Nach der kritisierenden SaSe-Berichterstattung darüber, dass hier ein Mitarbeiter der SchwäZ nebenher auch noch Aufträge der Gemeinde Langenargen übernimmt und damit keineswegs mehr „unabhängig“ berichten kann, verschwand der Eintrag (vgl. Screenshots in TS05/19). Gleichzeitig konnte Andy Henrich sich dazu aufraffen, sein Impressum aufzuhübschen i. e. den rechtlichen Anforderungen an ein solches anzupassen.
Donnerwetter.

Die Gemeinderats- und sonstige politische Berichterstattung der Schwäbischen Zeitung für Langenargen wird hauptsächlich durch die Redakteurin Tanja Poimer und eben den freien Mitarbeiter Andy Heinrich abgeknechtet. Wobei besonders Heinrich immer wieder (siehe oben) dadurch auffällt, dass er sich auf journalistischen Standards das von SaSe-Stammlesern an dieser Stelle schon erwartete Ei backt!

Gerade erst hatten wir es auf diesem Blog von den zahlreichen Restriktionen, denen etwa Gemeinderatsfraktionen und – streng lege artis auch die BüMs – in dem sensiblen Zeitraum vor einer Wahl unterworfen sind (hier).

Aber der SchwäZ-Schreiber Andy Heinrich ist – so mein Eindruck – weder den journalistischen Standards noch dem Anstand in einer Minimalversion noch diesen speziellen Restriktionen im Vorfeld von Wahlen unterworfen. Das zumindest zeigt der Facebook-Account von Langenargens Bürgermeister Achim Krafft (CDU). Weiterlesen

TS100/20: Corona: Südkurier kritisiert mangelnde Infos ex Landratsamt Bodenseekreis

Dann muss die Lage aber schon wirklich verzweifelt sein: Wenn der Südkurier sich in einem Kommentar zu deutlicher Kritik an der Informationspolitik des Landratsamts Bodenseekreis aufrafft: „Steigende Corona-Fälle: Informationen der Behörden sind Mangelware“.

Übersehen wir jetzt einmal großzügig den sprachlichen Unsinn in der Headline: Fälle können nicht steigen; höchstens die Anzahl derer. Konzentrieren wir uns auf das Positive und konservieren dieses seltene Stück kritischen Journalismus der Lokalberichterstattung.

Einen Teil des Mutes dazu bezieht Redakteurin Kerstin Mommsen sicherlich aus dem brisanten Thema, um das es geht: Corona und die aktuellen Infiziertenzahlen im Bodenseekreis. Die Journalistin beklagt, es sei schwierig, an präzise Informationen aus dem Landratsamt zu kommen. Von dort kämen nur „dürre Pressemitteilungen“ (siehe dazu Situation im Landkreis Biberach hier).

Die Presse weiß zwar von 31 Infizierten, kann aber nicht in Erfahrung bringen, wo diese Menschen leben bzw. herkommen. Aber genau das ist eine wichtige Info für die Bevölkerung. Auch die Anzahl weiterer Verdachtsfälle sei ungeklärt, ebenso wie das vom Landratsamt gefahrene Test-Regime. Weiterlesen

TS98/20: „Zeitung für kommunale Wirtschaft“ manipuliert Artikel nach SaSe-Presseanfrage

Siehe zu diesem Artikel auch PB3.

Zuerst war es ein Routine-Vorgang: Im Kontext mit meinen Recherchen zum Gemeindetag Baden-Württemberg (siehe dazu auch PB1) war ich auf folgenden Artikel in der Zeitung für kommunale Wirtschaft (ZfK) gestoßen: „Klimaschutzpakt mit kommunalen Landesverbänden“.

Er kam mir „komisch“ vor, weil die Berichterstattung – in ihrer originalen Version von mir gesichert am 12.07.2020 – keinen Hinweis auf irgendeine Veranstaltung, einen Vortrag oder auch eine Pressemitteilung gibt. Was der Laien-Leser als leichte Irritation vielleicht wieder aus seiner Wahrnehmung drückt, gibt der Skeptikerin Anlass zur Recherche.

Und tatsächlich: Der angebliche „Artikel“ der ZfK ist eine nahezu hundertprozentige Übernahme einer Pressemitteilung des Umweltministeriums Baden-Württemberg vom 08.07.2020: „3. Klimaschutzpaket mit den kommunalen Landesverbänden unterschrieben – 27 Millionen Euro für weitere Klimaschutzmaßnahmen“.

Nun ist es jedoch so, dass der Pressekodex unter Ziffer 1, Richtlinie 1.3 zwingend vorschreibt, dass Pressemitteilungen als solche zu kennzeichnen sind. Für den Leser muss ersichtlich sein, dass sich hier nicht ein Journalist bzw. eine Redaktion verlautbart, sondern der Leser es unmittelbar mit den Behauptungen einer Behörde zu tun hat. Weiterlesen

TS97/20: Schande über Langenargen: Menschenunwürdige Flüchtlingsunterbringung

Was wichtig ist in Langenargen, das steht in der SchwäZ. Wichtig in Langenargen sind: Tourismus-Infrastruktur für Reiche (z. B. Yachthafen, Luxustoiletten mit enormen Betriebskosten), Überfluss, Entspannung, Genuss, Völlerei und Hedonismus. Das Ganze abgesichert durch einen von der Gemeinde beauftragten Sicherheitsdienst, der stark nach rechts ausfranst (hier).

Was wichtig ist in Langenargen, das steht in der SchwäZ. Zum Beispiel über das Sternerestaurant SeeVital

Entspannung und Genuss: Das will Michael Ritter seinen Gästen bieten. Die Basis dafür bilden zwei Hotels samt Gastronomie direkt am Bodensee. Star seines Ensembles: Das Fine-Dining-Restaurant „SEO Küchenhandwerk“, das der renommierte Führer „Guide Michelin“ Anfang März mit einem seiner begehrten Sterne ausgezeichnet hat.
[…]
Wem Sinn und Portemonnaie nicht nach acht Gängen für 144 Euro (mit Weinreise 210 Euro) und der ganz gehobenen Küche stehen, der kann im anderen Teil des Lokals wieder im „Pasta Nr. 1“ Platz nehmen. Benannt nach Michael Ritters gleichnamigem Kochbuch und ihm zufolge „aufgebaut wie eine Reise durch Italien. Es gibt Snacks, Pasta, aber auch geschmortes Fleisch oder Meeresfrüchte.“
(Schwäbische Zeitung 28.05.2020: „Langenargener Sternerestaurant taucht aus der Krise auf“; Hervorhebg. K. B.)

Die Corona-Krise ist der Berichterstattungsvorwand für diesen vierten einer Serie von in auffallender zeitlicher Dichte (08.05.2019; 30.06.2019; 04.03.2020; 28.05.2020) erscheinenden SchwäZ-Artikeln. Allerdings vermag ich einige derer kaum von purer Werbung zu unterscheiden. Meine Bewertung „Vorwand“ stützt sich auch auf die frappierende Tatsache, dass offensichtlich nur das Wiederauftauchen des Dekadenztempels Hotel SeeVital aus der Krise interessant ist. Der angebliche redaktionelle Beitrag berichtet nicht darüber, wie andere Gastronomen in Langenargen die Krise überstanden haben. Weiterlesen

Copyright © 2020. Powered by WordPress & Romangie Theme.